Category: Cycling

  • Mehr Velofahrer

    Die Nacht im Zelt war wunderbar und ich habe gut geschlafen. Da wir immer noch dieselben Pläne haben, reise ich weiter mit Mike und Carol nach Süden.
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    Die Temperatur geht schnell nach oben nachdem wir gestartet sind. Das hat auch damit zu tun, dass wir es gemütlich nehmen und erst nach 10:00 abfahren. Gegen Mittag strömt uns plötzlich der Duft frischer Faffeln in die Nase. Hungrig gehen wir der Sache nach und finden einen Bauernhof, der Glace in frischen Cornets verkauft. Die sind wirklich riesig, sogar für amerikanische Verhältnisse.
    Weiter geht es an vollbehangenen Brombeerstauden, weiten Feldern, mit Schwemmholz übersähenen Stränden, Seen und immer wieder dem Blick auf den Pazifik und Vancouver Island im Hintergrund.

    Die Fähre verpassen wir leider ganz knapp, aber dafür treffen wir eine Gruppe Velofahrer, die auch auf sie Fähre warten. Sie gehören zu einem Veloverein, die einen Platz gemietet haben und dort campieren. Die Einladung sie zu begleiten nehmen wir gerne an und somit hat sich die Suche nach einem Campingplatz auch erledigt. Beim gemeinsamen Nachtessen werden fleissig Geschichen über Velotouren getauscht und ich bekomme auch ganz viele Tipps für meine Tour.
    Distanz: 50km

  • Camping

    Nach einem gemütlichen Frühstück mit Pancakes mache ich mich auf den Weg durch die Stadt zu dem Wald an der Küste. Nach einiger Zeit treffe ich ein amerikanisches Ehepaar, welches auch mit dem Fahrrad unterwegs ist. Von Vancouver nach Portland. Da wir etwa gleich schnell, gleich weit und in die gleiche Richtung fahren wollen, beschliessen wir zusammen zu fahren. Die Fahrt geht durch kühle, schattige Küstenwälder, danach durch flache Ebenen und einem Damm entlang. Dort picknicken wir und geniessen die Brombeeren, die überall wachsen.
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    Die Temperaturen steigen langsam auf 25-30° als wir weiter über eine Brücke auf eine Insel fahren, und es kommen auch noch so steile Passagen, dass wir schieben müssen. Für die Amerikaner ist das ungewohnt, aber ich kenne das schon zur Genüge von Italien. Nach einem kleinen Abstecher zu einem nicht existierenden Campingplatz finden wir den richtigen. Der ist zwar ausgebucht, aber für erschöpfte Velofahrer gibt es immer einen Platz!
    Sobald das Zelt steht, mache ich mich auf zum Strand und gehe im Pazifik schwimmen. Für etwa 20s. Länger halte ich es in dem etwa 14° kalten Wasser nicht aus. Der See nebenan ist deutlich wärmer und dort halte ich es auch länger aus. Nach einer Dusche und dem Feierabendbier kommt auch schon die Nachtruhe.
    Distanz: 73km

  • Dreirad

    Heute ist der erste richtige Velotag, und auch die erste Fahrt mit dem beladenen Anhänger. Die Nachwirkungen des Jetlags dauern immer noch an, und so erwache ich früh. Das gibt mir dafür die Gelegenheit, die Route genau zu studieren. Da ich genug Zeit habe und es genütlich angehen will, entscheide ich mich für den Umweg der Küste entlang. Diese Route entpuppt sich als wunderschöner Veloweg ohne Verkehr. Die Wahl ist genau richtig, obwohl Teile davon nicht befestigt sind und ich erstmal Gegenwind habe.
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    Ich suche weiterhin nach offiziellen Velowegen und werde gut fündig. Sie sind gut eingezeichnet und beschriftet. Die Richtung ist südost, und vor allem gegeben durch die Brücken. Den Wegrand säumen immer wieder Brombeerstuden, und bei einigen Brombeeren werde ich schwach. Genüsslich pflucke und esse ich sie, obwohl die Brombeere ja sonst der Feind meines Velos ist: Die Zweige wachsen über die Strasse und die Dornen garantieren ein Loch im Pneu.
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    Nahe White Rock fange ich an, ein Hotel zu suchen. Aber zuerst habe ich Hunger und kaufe in einem Supermarkt einen Sandwitchbausatz und esse dann gemütlich vor dem Eingang beim Velo. Ein Kanadier sieht mich und freut sich, einen Reisenden entdeckt zu haben, da er selbst gerne reist. Er fragt mich wo ich übernachte und lädt mich zu sich nachhause ein. Da muss ich wirklich gut überlegen: Kanadier sind sehr gastfreundlich und ich glaube, dass er ehrlich ist. Bei meiner letzten Reise habe ich auch bei einem Kanadier übernachtet und das war sehr interessant. Diesmal passe ich jedoch, weil ich einen gemütlichen Abend für mich will und früh ins Bett will. Zum Quatschen habe ich keine Lust und ich will ja nicht unfreundlich sein. Also doch ein Hotel. Am Strand ist auf dem Navi eins eingezeichnet, aber das entpuppt sich als Fehlinformation. Auch die nächsten beiden sind nicht existent. An der Hauptstrasse ist ein Motel eingezeichnet, und da rechne ich mir bessere Chancen aus. Zumindest das klappt.
    Der Anhänger hat sich bis jetzt als sehr praktisch erwiesen und funktioniert wunderbar. Der Vorteil ist, dass ich den Rucksack ganz reinkriege und der Schwerpunkt sehr tief liegt. Das Ganze ist meistend auch sehr stabil. Die Nachteile sind, dass das Velo mit dem vollbeladenen Anhanger kaum auf dem Ständer steht und immer umzufallen droht. Auch das zusätzliche Gewicht ist spürbar und das zusätzliche Gelenk kann Schwingungen verursachen bei höherer Geschwindigkeit. Ich muss also schön vorsichtig sein.
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    Distanz: 90km

  • Vancouver

    Um das Jetlag auszuschlafen und das Velo flott zu machen, habe ich einen ganzen Tag in Vancouver geplant. Ich konnte wirklich bis 7:00 schlafen und gehe erstmal zu Fuss an den Hafen. Die Stadt ist immer noch wie in meiner Erinnerung und gefällt mir sehr gut. Alles ist so schon sauber und es hat viele Parks.
    Gegen Mittag wechsle ich aufs Velo und gehe auf die Suche nach einem Anhänger für den Rucksack. Dies gestaltet sich recht schwierig, da kaum ein Geschäft einen hat und ich quer durch die Stadt radle. Nach dem 5. Geschäft finde ich einen Laden fast neben dem Hotel, der einen hat.
    Was natürlich auch nicht fehlen darf, ist eine Runde um den Stanley Park. Da bin ich mit dem Velo in guter Gesellschaft: es ist voll von Velos hier.
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    Der Küste entlang fahren macht schon Spass, und deshalb bin ich ja hier.
    Am Abend habe ich mit einem alten Kollegen abgemacht zum Steak essen.

  • Über den Hügel zurück

    Wegen dem Streik stehen die französischen Bahnen heute still. Das ist jetzt aber kein Problem mehr: ich muss nur noch einen Hügel überwinden und schon bin ich in Genf. Da ich gestern erst spät angekommen bin, habe ich die Wäsche auf heute verschoben, also zuerst waschen und dann bei strahlendem Sonnenschein losfahren. Die Kleider trocknen so auch sehr schnell am Körper. Die Aussicht auf den See ist leider meist verdeckt, aber es macht trotzdem Spass den Hügel rauf. Für letzte Einkäufe steht sogar noch ein französischer Supermarkt am Strassenrand. Kurz nach dem Gipfel mache ich Mittagspause an einem gemütlichen Picknicktisch und kann 3 Frauen beobachten, welche an einer Ausfahrt des Kreisverkehrs stehen und ihren Beruf nachgehen.
    Auch bei der Abfahrt gibt es leider kaum Aussicht auf den Genfersee, und es ziehen Wolken auf. Um die Navigation tu traninieren folge ich nun nur noch den Strassenschildern und der Intuition. Das funktioniert ganz gut, bis ich einem falschen Fluss folge, den ich kurz für die Rhone halte. Ein Blick auf die Karte verrät dann den Irrtum. Den Gedanken, noch dem See zu folgen verwerfe ich wegen des nicht mehr so tollen Wetters und fahre direkt mit dem Zug zum Elternhaus.

  • Durchquerung der Pyrenäen

    Allzu weit ist es nicht mehr bis nach Frankreich. Nur noch knapp 40km spanische Pyrenäen fehlen. Ich mache mich möglichst früh auf den Weg, was aber erst um 9:30 ist, da das Frühstück eher spät anfängt. Nach ein paar Kilometer Flachland geht es der Hauptstrasse entlang hoch, aber nicht wirklich weit: kein Punkt ist höher als 200m über Meer, es geht aber immer wieder direkt ans Meer.
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    Nach einigem hoch und runter erreiche ich die Grenze nach Frankreich auf einem “Pass”. Danach geht’s nur noch runter bis zum Bahnhof. Der ist komplett verlassen, aber ich bin auch noch eine Stunde zu früh. Also esse ich draussen zu Mittag und danach ist auch ein Schalter offen. Der Küste entlang fahre ich mit dem Zug nach Avignon. Der Plan ist es, in Avignon zu übernachten und von morgen den Rest der Strecke zu fahren.
    Als ich am Schalter das Ticket für morgen kaufen will, muss ich jedoch herausfinden, dass die französische Bahn bei diesem Plan nicht mitspielen will, da morgen gestreikt wird und nichts nehr fährt. Zum Glück erwische ich noch einen Zug nach Lyon und dann gleich noch einen nach Annecy. So komme ich zwar erst spät an, bin aber zumindest in Veloreichweite zur SBB.
    Leider sind viele Hotels und die Jugi schon ausgebucht, aber im Internet finde ich noch eins, dass ein halbwegs bezahlbares Zimmer hat. Ohne es zu buchen fahre ich dorthin und erwische es noch. Das Internet kann schon ganz praktisch sein!

  • Velowege

    Das Ziel ist es, wieder zurück nach Frankreich zu fahren. Da es aber noch über 100km sind, will ich es gemütlich angegen und in 2 Tagesetappen einteilen. Um möglichst keine Umwege zu fahren, programmiere ich das Navi. Es nimmt bevorzugt Velowege, was mir natürlich gut passt. Gegen Mittag befinde ich mich mitten zwischen Feldern an einer Kreuzung und beschliesse, die Ruhe auszunutzen und Mittagspause zu machen. Die Ruhe hält aber nicht lange: zuerst kommt eine Gruppe Mountainbiker und quatascht an der Kreuzung. Wenn sie endlich weg sind, höre ich einen Traktor und schon bald kommt eine Gruppe Schüler, die nicht weit von mir Musik abspielen. Nachdem ich fertig bin, kommt auch noch ein Traktor und sobald ich stehe wird das Bänklein von 2 Leuten beschlagnahmt. So viel zur ruhigen Mittagspause.
    Die Fahrt geht weiter durch Ortschaften und vor allem durch Velowege. Diese sind aber teilweise kaum als solches zu erkennen und mutieren zu 5cm breiten Trampelpfaden. Am Ende dieses Pfades suche ich die Beine nach Zecken ab und bin froh nichts zu finden und heil durchgekommen zu sein. Auch an einem Naturschutzgebiet komme ich vorbei, aber auch das ist nicht wirklich erkennbar, da überall Felder sind. Teilweise werden sie gerade überflutet.
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    Nach über 60km suche ich ein Hotel möhlichst nahe am Weg. In der kleinen Ortschaft werde ich sogar fündig: das hübsche 2* Hotel hat zwar nicht offiziell offen, aber im Nachbarhotel kann ich einchecken.

  • Die Küste hoch & runter

    So ein Campingplatz mitten in der Stadt hat auch sine Nachteile: Der Lärm der Autos ist auch mit Ohrenstöpseln gut zu hören. Aber ich kann trotzdem einigermassen schlafen und stehe erst um 8:00 auf und esse danach was zum Frühstück im Café nebenan. Da ich das Zelt nicht nass einpacken will, lasse ich es noch bis 10:00 trocknen in der Sonne.
    Danach fahre ich los nach Norden. Der Wef ist aber nicht allzu einfach: die Strasse geht immer wieder hoch und runter. Dafür wird man aber immer wieder mit einer schönen Aussicht belohnt!
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    Nach knapp 50km komme ich in eine schöne Ortschaft und beschliesse, ein gemütliches Hotel zu suchen. Nach dem einchecken, duschen und Kleider waschen schaue ich mich noch in der Ortschaft um. Zum Glück habe ich die Regenkleidung dabei: ein ausgewachsenes Gewitter scheucht mich in ein Restaurant, wo ich wohl oder übel ein Bier trinken muss, bis alles vorüber ist.
    Das Gewitter kühlt die Luft auch ab, so dass ich keine Lust mehr habe um mich weiter umzuschauen.

  • Und weiter im Zug

    Heute geht’s weiter bis ans Mittelmeer. Nach einem guten Frühstück fahre ich zurück zum Bahnhof, ohne Navi. Man will ja die Fähigkeiten testen ab und zu.
    Die Landschaft erinnert mich teilweise an die australischen und amerikanischen Wüsten, jedenfalls den Anfang davon. Ich muss definitiv nochmals zurück kommen mit dem Motorrad und das Landesinnere erkunden.
    Die letzte Stunde fährt der Zug dem Meer entlang, und das Wasser scheint recht warm zu sein, jedenfalls baden viele Leute.
    Doch mir stellt sich die Frage, wo ich übernachten soll: auf Grossstadt habe ich keine Lust, und bis Blanes sind es über 60km. Da auch nicht durch die Stadt radeln will und per Zufall an einem Bahnhof bin, nehme ich einfach den Zug weiter nach Blanes. Dort war ich als Kind mit der Familie zelten, und nun will ich aus nostalgischen Gründen wieder dasselbe machen!
    Der Zug braucht für die 60km fast 2h und fährt gemütlich der Küste entlang. Auch einmal umsteigen ist nötig, und mich nervt, dass das Gleis nie erscheint auf der elektronischen Tafel. Aber mann kann ja auch das Personal fragen.
    In Blanes mache ich mich sofort auf die Zeltplatzsuche, und er existiert noch und ist offen! Also einchecken und Zelt aufbauen.

  • Züglein, Züglein

    Heute gibt’s einen entspannten Tag nach der Anstrengung gestern: die nächste Etappe mache ich aus Zeitgründen mit dem Zug. Ich merke in den Beinen, dass sie noch ein Bisschen schlapp sind. Da die velokompatible Verbindung nach Barcelona nicht in einem Tag durchführbar ist, fahre ich erst am Nachmittg ab nach Zaragosa. Vorher schaue ich aber noch die Stadt an und esse zu Mittag.
    Allzu viel mehr ist nicht passiert, morgen geht’s dann weiter nach Barcelona ans Mittelmeer.