Category: Travel

  • Ein Sommertag

    Da ich schon lange nicht mehr am Strand war, will ich heute ein gemütliche Strandfahrt mit dem Velo machen. Das Velo kann ich problemlos in die Metro nehmen, damit ist der Plan auch schon geschmiedet: mit der Metro nach Santa Monica, dann mit dem Velo nach Long Beach und wieder zurück mit der Metro.

    Die Stosszeit lasse ich mal aus, es reicht wenn ich später gehe. Nicht gerechnet habe ich, dass die Standzeit dem Velo nicht gefallen hat. Ein Platten vorne will geflickt werden. Scheinbar habe ich vorgestern etwas spitzes überfahren und schaue den Pneu an. Ein Dorn kann ich entfernen, doch der gieng nicht bis zum Schlauch. Das Loch im Schlauch selbst ist kaum zu übersehen, es ist an der Innenseite. Scheinbar ist der Schlauch wegen dem hohen Druck dort aufgerissen, wo die Speichen angemacht sind. Den Druck habe ich immer am Limit mit 85psi oder eben 6.5 Bar. Nachdem ich es geflickt habe, pumpe ich es nicht mehr ganz so hoch auf. Vorne ist weniger Belastung und da reicht auch weniger Druck für einen tiefen Rollwiderstand.

    Mit dem Velo schaffe ich es problemlos an den Strand. Dort warten ganz viele Kilometer neu aussehender Velowege direkt durch den Sand auf mich. Teilweise sind einige Fussgänger mit den Beschriftungen “Nur Velo” überfordert und blockieren den Weg. Das wird aber schnell besser. Für die Mittagspause wurde extra ein Bauernmarkt organisiert mit frischem Gemüse, Beeren und Früchten. Die Sonne wärmt heute besonders stark, was die Temperatur auf 30° bringt. Endlich mal ein schöner Sommertag! Der Smog ist auch ganz gut sichtbar über der Stadt als grauer Dunstschleier.

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    Auch der längste Strand ist mal zuende, doch die Küste noch lange nicht. Ich muss jetzt hoch und über den Klippen um eine Halbinsel. Danach bin ich schon fast in Long Beach, aber das Ganze zieht sich. Der ganze Hafen will noch umrundet werden während die Sonne am untergehen ist.
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    Distanz: 71km

  • Disneyland

    Heute möchte ich eigentlich in den Magic Mountain Six Flags Park gehen. Doch der hat schon Winterpause und ist nur noch am Wochenende geöffnet. Scheinbar sind die 36°, die es diese Woche wird, schon zu kalt für die Amerikaner. Begreifen kann ich das definitiv nicht, hier wo alle Läden fast 24h am Tag offen sind, und nun ist der Park hier geschlossen während der Europapark offen ist.
    Na, dann gehe ich jetzt halt in einen anderen Park, der schon seit 30 Jahren auf meiner Aufgabenliste steht, aber unterdessen doch recht weit unten angelangt ist. Nun bin ich im der Nähe, also fahre ich nach Anaheim ins originale Disneyland. Natürlich mit dem ÖV. Das dauert nur etwa 3h für die 50km Luftlinie. Zumindest muss ich nur einmal von der U-Bahn zum Expressbus umsteigen. Die Suche nach der Busstation ist nicht ganz einfach, an der Strasse sind Baustellen und ich kann das Schild nicht finden. Schlussendlich finde ich es, es ist nur verdreht aufgehängt und verdeckt. Man kann es von der Haltrstelle aus gar nicht sehen.

    In Disneyland angekommen muss ich zuerst mal schauen was es alles gibt, informiert habe ich mich natürlich nicht. Zu meiner Freude hat Disney in den letzten Jahren viele Filmrechte gekauft, was sich nun in den Bahnen hier wiederspiegelt. Für die beiden Star Wars Bahnen hole ich mir einen “Fast Pass”, damit komme ich 2h später ohne Schlange rein.
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    Schlangen sind hier allgemein so eine Sache. Wartezeiten zwischen 20 und 60min sind ganz normal. Irgendwie frage ich mich, wieso das Problem nicht irgendwie gelöst wird, denn schlangestehende Leute konsumieren nichts und Geld scheffeln ist ja der einzige Zweck von Disneyland. Auf die Matterhorn Bobbahn muss ich ganz sicher auch. Da gibt es eine angenehme Überraschung für mich: einzelene Personen können die Schlange überspringen und Lückenfüller spielen. Das kommt mir auch bei Indiana Jones zu gute, denn da hätte ich trotz Fast Pass lange warten müssen und so konnte ich mich per Zufall bei den Singels einschleichen.
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    Disneyland selbst ist in mehrere Themengebiete aufgeteilt wie Futureland, Toontown oder Adventureland. Es ist ganz spannend zu sehen wie die Erbauer sich die Zukunft oder Europa vorstellen. Irgendwie muss ich auch gestehen, dass das Ganze durch Kinderaugen sicher viel spannender wäre. Am besten gefällt mir die Pirates of the Caribbean Bahn. Die dauert als Einzige so lange, dass man im diese Welt eintauchen kann.
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    Nach Sonnenuntergang enttäuscht mich die Beleuchtung ein wenig. Alles ist doch sehr dunkel und die Lanpen blenden eher. Die Gebäude sind kaum beleichtet von aussen, nur die besonders grossen wie das Dornröschenschloss.
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  • Santa Monica

    Diese Nacht hat es effektiv heftig geregnet. Es tropft immer noch. In den Nachrichten berichten sie wie wegen den Regenfällen 3 Transformatoren explodierten und es Unfälle wegen Aquaplaning gab. Die Stadt wurde völlig überrascht, denn Regen gibt es hier sonst scheinbar nie.

    Da warte ich doch noch bis alles abtrocknet und lege meine immer noch müden Beine hoch. Als erstes schaue ich mich in einem grossen Elektronikladen um, kaufen will ich sicher nix, aber schauen darf man ja. Auffällig sind 2 Dinge: die halbe Fläche ist voll mit riesigen 4k Fernsehern. Die andere Hälfte ist fast leer, die Regale sind kaum zur Hälfte gefüllt und viel Produkte scheinen zu fehlen. Ich denke mal, das ist die Auswirkung von Amazon, denn hier kauft kaum jemand Elektronik im Laden mehr.

    Mit dem Zug (jawohl, es gibt auch einen ÖV hier, wenn auch einen schlechten. Und hier tummeln sich auch allerhand Verrückte) fahre ich nach Santa Monica an den Pier und Strand. So richtig warm ist die Luft und auch das Wasser nicht, das sieht man besonders an der Kleidung der wenigen Badenden. Im Neopren ist’s doch noch angenehmer.
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    Da ich sogar eine Tageskarte gelöst habe, nehme ich nach dem Spaziergang den Bus zurück. Beim einen geht der Kartenleser nicht und beim anderen der Bargeldautomat. Letzteres ist für mich gut, denn in dem Bus wäre meine Karte nicht gültig. Da sie mein Geld nicht nehmen können darf ich gratis fahren.

    Alle Touristen werden ganz verrückt beim Sonnenuntergang auf dem Pier. Mich kümmert das wenig, in den letzten Wochen habe ich viel spektalulärere gesehen.
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  • Auf nach Hollywood

    Als ich um 7:00 erwache ist immer noch alles trocken. Der Wetterbericht meldet aber Regen ab 8:00. Da doch eine minimale Chance besteht, dass er recht hat, packe ich vor dem Frühstück. Aber natürlich hat er nicht recht, es ist nur neblig und einigermassen warm.
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    Die Veloroute ist sehr gut beschildert, so dass ich problemlos ohne Navi auskomme. Neben dem Highway 1, den ich doch noch nicht ganz hinter mir habe, ist extra für mich ein Veloweg direkt am Meer. Die Wellen sind teilweise so hoch, dass sie auf die Fahrbahn spritzen. Die Surfer freut das.
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    In Ventura haben die Leute 2 Beschäftigungen am Strand: surfen und Surfer fotografieren. Da ich ersteres nicht kann, mache ich halt letzteres. Der Standort verspricht gute Fotos, denn die Surfer kommen schön an mir vorbei.
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    Vorwärts komme ich heute sehr gut, um 14:00 habe ich schon über 60km auf dem Zähler. An anderen Tagen hatte ich da erst 20km drauf. Nicht nur der Rückenwind, sondern auch die wärmere Luft hilft mir schnell vorwärts zu kommen. Bei etwa 22° komme ich viel besser auf Touren als bei den 15° der letzten Wochen.

    Nach einem kurzen Ausflug weg vom Meer fahre ich an einer US Navy Basis vorbei, die sich auf Raketen spezialisiert hat. Direkt neben der Strasse ist ein Freiluftmuseum mit den Raketen und auch 2 Flugzeugen. Ist schon krass, was da alles entwickelt wurde.
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    Mein Plan ist es in Malibu zu übernachten, das wären dann immerhin knapp 90km heute. Malibu hat einen ganz schönen aber Strand, aber es ist komplett tote Hose hier, obwohl es Sonntag Nachmittag ist. Auch Unterkunft gibt es keine. Da ich nun wirklich Lust auf eine Pause habe, buche ich mir ein Bett für 4 Nächte in Hollywood. Santa Monica hätte mir zwar besser gefallen weil es am Weg ist, aber dort hat keine Jugi Platz für mein Velo. Nur genau eine in Hollywood hat auch Veloparkplätze.

    Jetzt muss ich nur noch die etwa 50km hinter mich bringen. Wenn ich so gut weiter komme wie bis jetzt, dann klappt das schon. Da ich ja länger belibe kann ich mich auch etwas überanstrengen.

    Sobald ich die Gemeindegrenze zu Los Angeles überschreite, ändert sich einiges für Velofahrer. Der Velostreifen wird nun offiziell zum Parkplatz gemacht, der auch rege genutzt wird. Somit bin ich eingequetscht zwischen stehenden und fahrenden Autos. Los Angeles wird also ihrem Ruf “LA ist scheisse” absolut gerecht. Santa Monica ist da schon besser, hier gibt es sogar einen guten Veloweg über den Strand. Aber allzu lange kann ich da nicht fahren, denn ich muss 20km ins Landesinnere nach Hollywood.

    Um keine Zeit zu verlieren fahre ich direkt nach dem Navi durch die Stadt. Das braucht 100% Konzentration bei dem Stossverkehr. Die Ampeln sind definitiv nur für Autos ausgerichtet, wenn ich bei Gelb über eine Ampel fahre komme ich nicht rüber bevor die Autos quer anrollen. Das heisst also bei gelb scharf bremsen. Hilfreich sind da die Fussgängerampeln, denn die zeigen an wie lange es noch grün ist.

    Kurz bevor es richtig dunkel ist komme ich an. Nach einer kurzen Dusche esse ich etwas auf dem Hollywood Boulevard und schlendere noch ein wenig herum. Ist irgendwie schon krass, dass der Walk of fame eben eine riesige Strasse mit 2 Spuren pro Richtung ist. Aber eben, ein Amerikaner geht ja auch nicht zu fuss, sondern im Auto. Insbesondere in LA. Hier am liebsten in einem richtig lauten Sportwagen.

    Distanz: 135km

  • Highway 1 komplett

    Die Internetverbindung ist wirklich gut, denn alle 28GB an Fotos sind gesichert worden. Auch das Frühstück ist ganz O.K. zum Glück war ich nicht campieren, über Nacht hat es geregnet und nun ist alles nass. Es nieselt sogar noch ein wenig, hört aber schnell damit auf.

    Der offiziellen Veloroute entlang fahre ich weiter auf dem Highway 1. Ganz stetig rauf über einen Pass von 300m, bei der ich bei dem schwülen Wetter doch recht ins schwitzen komme, und einer schönen Abfahrt danach zum abkühlen. Da endet auch schon der berühmte Highway 1 mit 2 Schilern und geht wieder in den Highway 101 über. Auf  dem 101 kommt auch gleich eine Raststätte für meine Mittagspause.

    Nun bin ich wie schon weiter oben dem Highway 101 entlang am Meer unterwegs. Neben der Strasse sind nun auch die Amtrak Gleise. Bei einem Aussichtspunkt habe ich sogar Schwein und sehe den Zug. Der starke Rückenwind zusammen mit der flachen Strasse lässt mich richtig schnell vorwärts kommen, teilweise bis 30km/h. Bei dem Tempo schaffe ich es auch locker nach Santa Barbara, was aber auch ein grösseres Problem ist. Die Stadt ist wirklich schön, und der Meinung bin leider nicht nur ich. Alle Unterkünfte sind ausgebucht oder min. $220. Das Timing könnte also kaum schlechter sein.

    Da ich schonmal hier war lasse ich Santa Barbara links liegen und fahre einfach weiter. Aber ich will zumindest wissen, was aus der Jugi geworden ist, in der ich damals war. Die Taucht nicht mehr auf im Internet. Ja, sie ist wirklich geschlossen und es wird gebaut.

    Mein Ziel ist nun einen Campingplatz zu finden irgendwo auf dem Weg, obwohl der Wetterbericht immer noch Regen voraussagt. Aber die Sonne seit Mittag sagt mir eben was anderes.

    Zuerst kommt der Hunger dran und ich gönne mir eine Pizza in einer Pizzeria. Ich bin zwar verschwitzt, das ist mir aber egal. Energie für die Weiterfahrt ist wichtiger.

    Die Sonne ist schon unten beim ersten Geistercampingplatz, den mir das Navi zeigt. Die Daten sind leider teilweise schlecht. Nach einer richtigen Bonzengegend hat’s wieder Hotels, aber billiger sind sie nicht. So frage ich nochmals das Navi nach einem Campingplatz. Diesmal kommt der Jackpot: ein State Beach Campground. Die sind gut, günstig und vor allem haben sie immer Platz für mich, auch wenn sie komplett voll sind.

    Nach eiener schönen Dusche und Kleiderwaschen will ich den Strand sehen. Bei Vollmond sieht man alles wunderbar, und so wandle ich im Pyjama durch den Sand und lasse die Füsse von den Wellen umspühlen. Das Wasser ist hier tatsächlich viel wärmer als weiter oben. Es ist nur noch kalt, nicht mehr eiskalt! Das merke ich auch an der Lufttemperatur, die sinkt nach Sonnenuntergang nicht mehr so stark ab.

    Distanz: 105km

  • Allgemeiner Plattentag

    Laut Wetterbericht ist der Morgen bewölkt, gefolgt von Regen am Nachmittag. Die Sonne hat den Bericht scheinbar nicht gelesen und scheint einfach weiter.

    Gleich nach einigen Kilometern überholt mich ein älteres Paar mit dem Rennvelo, nur um wenig später einen Pneu zu flicken. Sie haben freude an meinem Anhänger, denn der kommt genau aus dieser Gegend.
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    Nach einem Hügel sehe ich wieder das Meer und die altbekannte Nebelwand weiter draussen. Allzu lange bleibe ich nicht am Meer, denn ich muss nochmals ins Innland. Doch zuerst wird mal gegessen. Die Ortschaft ist überfüllt mit Hot Rods, so wie es aussieht ist da ein Oldtimer Treffen im gange. So wirklich gefallen tun mir die Hot Rods nicht, also ziehe ich weiter ohne gross zu fotografieren.
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    Im Inland wird wieder viel Landwirtschaft betrieben. Bei der Sonne hier wachst scheinbar einiges, jedenfalls wenn genug Wasser vorhanden ist.
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    Auf einmal fühlt sich mein Vorderrad weich an, was auf einen kommenden Platten deutet. Ich fahre noch bis ich Platz zum reparieren habe und halte an. Da kommt auch schon die deutsche Velofahrerin, die ich schon bei den Ottern getroffen habe. Sie macht auch gleich Pause während ich den Pneu untersuche und den Schlauch repariere. Es war ein Dorn. Sie erzählt mir, dass sie heute auch schon einen Platten hatte wegen Dornen. Scheinbar ist heute allgemeiner Plattentag. Da sie kein Zelt dabei hat, macht sie Coachsurfing und lernt viele Leute kennen.

    Anstatt Regen kommt am Nachmittag auch Rückenwind auf. So komme ich ganz schnell ganz weit. Um 17:00 muss ich aber eine schwere Entscheidung treffen: entweder fahre ich nun 10km in die falsche Richtung oder 30km in die richtige Richtung um ein Hotel zu finden. Die Beine melden, dass 30 weitere Kilometer kein Problem sind, vor allem wenn sie dadurch 20km Umweg sparen können. Somit übernachte ich nicht wie eigentlich geplant in Santa Maria, sondern fahre weiter nach Lompec, wo die Strasse direkt durch die Hotelzohne führt.
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    Um die Zeit im Dunkeln zu reduzieren gebe ich nun Gas. Der Sonnenuntergang ist auch heute sehr lange und kitschig, auch wenn ich nicht direkt am Meer bin. Die Wolken werden etwa 10min nach Sonnenuntergang knallrot von unten beschienen, was aussieht als ob sie brennen. Auch lange danach leuchten sie noch.
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    Am Wochenende tendieren die Hotelpreise zu steigen, besonders wenn man erst um 19:00 ankommt und nehmen muss was übrig ist. Ich habe keine Lust lange zu suchen und verschaffe mir über Booking.com eine Übersicht. Das Motel 6 ist wieder das Billigste, hat aber sicher wieder kein brauchbares Internet. Deshalb gehe ich zum nächsten, das hat Internet und Wifi inclusive und ist kaum teurer. Das Wifi ist sogar richtig schnell, wenn ich Glück habe kann ich alle Fotos sichern hier durch die Nacht.

    Distanz: 86km

  • Ins Inland

    Bei Sonnenschein geht’s los. Ich komme gut vorwärts dem Meer entlang. Doch nicht lange, denn die Strasse zweigt ins Inland ab. Wobei alles schön flach ist und ich auch hier gut vorwärts komme.
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    Nach einiger Zeit schwappt Nebel über die Hügel und bedeckt das Land als ich wieder ans Meer komme. Da es Mittag ist und ich Hunger habe, kommt mir das Dorf ganz recht. Meine Vorräte sind aufgegessen. Nach dem Mittag liegt mir der Burrito irgendwie schwer im Magen. Ich bin ganz müde, doch auch die Pausen helfen kaum. Das ist irgendwie lustig, denn Hamburger mit Pommefrits ist eigendlich schwerer, hat aber nie Probleme gemacht. Vielleicht waren es einfach zu wenige Kalorien. Da helfen dann noch mehr Kalorien, welche ich in Form von Cola und einem Kokoscremekuchen mit Rahm zu mir nehme. Entgegen der Erwartung hilft das sogar.
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    Wieder verabschiede ich mich von der Küste. Die ist hier scheinbar so wenig bewohnt, dass nicht mal durchgehende Strassen gebaut wurden. Die sanften Hügel erinnern mich irgendwie an Schottland, doch das vertrocknete Gras passt eher zu Spanien. Die Ortschaftsnamen natürluch auch, denn ich fahre wieder mit Rückenwind durch das Osos Valley, das Tal der Bären.
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    In der nächsten Ortschaft muss ich unbedingt einkaufen. Einen Safeway gibt es zwar nicht, zum Glück sind hier aber alle Läden im gleichen Quartier. Für Lebensmittel finde ich nur 2 Schnäppchenmärkte. Ist nicht meine erste Wahl, aber ich finde alles was ich brauche. Der Erste hat Pausensnacks und der Zweite die Früchte.

    Am Ortsausgang befinden sich praktischerweise gerade die Hotels. Das Motel 6 ist schön günstig ohne Internet inclusive. Die schnelle Variante kostet $5 extra. Ich will meine Fotos sichern, also freue ich mich auf schnelles Internet. Leider unterscheiden sich die Vorstellungen von schnell sehr deutlich zwischen mir und dem Hotel. 1Mbit/s sind aus meiner Sicht extrem langsam, denn damit habe ich keine Chancen die 32GB an Fotos zu sichern. Schnell wäre 20x schneller aus meiner Sicht. Naja, irgendwann bekomme ich schon wieder schnelles Internet.

    Distanz: 69km

  • Seeelefanten

    Sogar hier neben dem Meer ist das Zelt trocken geblieben. Etwa um halb acht bin ich wach und am frühstücken in der Morgenkälte. Im zusammenpacken bin ich gut geübt und schneller als die Nachbaren zu zweit.
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    Punkt 9:00 bin ich wieder auf dem Weg nach Süden. Die Ruhe vor den Autos bin ich definitiv am geniessen. Ich kann die Wellen, Vögel und auch Seelöwen hören. Die Seelöwen kann ich aber nur hören, nicht sehen. Was ich sehe, ist wortwörtlich der grösste Scheisshaufen, den ich bis jetzt gesehen habe. Ein grosser Felsen ist komplett mit Vogelkot bedeckt. Der Himmel weiss irgendwie nicht, ob er nun grau oder blau sein soll. Es ist schon krass, wie unterschiedlich das Meer wirkt, je nachdem ob sich blauer oder grauer Himmel darin spiegelt.
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    Die Küste ist immer noch steil, und dementsprechend ist die Strasse nicht flach. Doch zumindest hält sich die Steilheit in Grenzen. 2 Velofahrer sind mich beim herauffahren am einholen und oben sprechen wir kurz. Sie waren auf demselben Campingplatz in Santa Cruz wie ich. Allzu weit ist die Steilküste nicht mehr, bald kommt die finale Abfahrt.

    Genau zur Mittagspause huscht ein Restaurant über die Strasse und winkt mich her. Das ist ja wunderbar, so muss ich nicht selber kochen. Es gibt wieder mal Burger, was auch die beiden anderen Velofahrer anzieht und wir setzten uns an den gleichen Tisch. Sie sind auf der gleichen Strecke unterwegs wie ich, nur gibt der Mann die Geschwindigkeit und Distanz vor, was für die Frau eher zu viel ist. Sie machen über 100km pro Tag, und als ich sage, ich mache etwa 60km und geniesse es lieber, sagt sie nur so: ja, Zeit hätten sie eigentlich auch.
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    Die Seelöwen sind wirklich schwer zu sehen auf den Felsen, sie haben genau dieselbe Farbe. Aber unterdessen habe ich einige gesichtet. Als es richtig flach wird kommt ein Aussichtspunkt über einen Strand voller Seeelefanten. Die Rollenverteilung ist hier klar: die Männchen kämpfen im Wasser untereinander und die Weibchen sonnen sich am Strand den Bauch. Ich glaube bei denen wäre ich lieber ein Weibchen.
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    Einen Strand weiter entdecke ich eine weitere Spezies: den Kitesurfer. Und zwar solche mit Tragflügeln am Brett. Damit kommen sie mit dem Brett aus dem Wasser und stehen auf den Flügeln. Das sieht aus, als ob sie über dem Wasser fliegen würden. Der 2. Kitesurfer hat Pech als sein Kite ins Wasser fällt und er ihn nicht mehr starten kann. Der von mir geliebte Rückenwind schiebt den Kite und damit auch den gewasserten Surfer der Küste entlang bis die Wellen den Kite an Land spühlen.
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    Dann kommt auch schon das Dorf wo ich übernachten will. Zeit hätte ich schon um weiter zu fahren, doch ich will direkt an der Küste bleiben, denn bald geht’s ins Landesinnere. Das erste Hotel ist auch gleich ein Erfolg und recht günstig.

    Nun beginnt das stressige Abendprogramm: Duschen, essen, zum Strand gehen, den Sonnenuntergang festhalten, im Pool schwimmen und im SPA liegen. Irgendwie schaffe ich auch das alles.
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    Distanz: 51km

  • Wälder in den Wellen

    Die Nacht im Wald war ganz gemütlich und ich habe gut geschlafen. Im Zelt wurde es nicht mal richtig kalt. Das liegt sicher auch daran, dass ich es komplett geschlossen habe. Bis jetzt hatte ich es immer ein wenig offen für frische Luft und dass die Feuchtigkeit weg kommt, aber jetzt bin ich am experimentieren. Denn wenn es drinnen wärmer ist, dann kondensiert auch weniger. Am Morgen ist das Zelt nur innen ganz wenig feucht. So schlecht wars also nicht, aber wenn ich es offen gelassen hätte, dann wäre es wahrscheinlich trocken.

    Der Nebel ist noch nicht verschwunden, aber er löst sich ganz langsam auf während ich mich auf den ersten Pass zu bewege. Der ist immerhin 300m hoch und doch recht schnell bezwungen. Für heute und morgen habe ich die Planung gemacht, denn vor mir liegt Niemandsland. Praktischerweise kommen in etwa 50km einige Campingplätze und nach nochmals 50km ein Dorf nur mit Hotels. Das sollte also aufgehen.
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    Oben angekommen habe ich wieder Sicht aufs Meer und sehe wie sich die Nebelwand vom Land entfernt. Bald habe ich auch Sonne und streiche mich mit Sonnencrème ein. Heute komme ich schneller vorwärts als gestern. Die Strasse geht zwar auch immer wieder hoch und runter, aber nicht so steil und viel angenehmer. Autos hat es auch weniger, scheinbar waren gestern viele auf einem verlängerten Wochenende.

    Unter mir tobt der Pazifik mit wieder den gewohnten, hohen Wellen. Sehr häufig wachsen direkt vor der Küste dichte Wälder aus Seetang. Diese sehen speziell interessant in Infrarot aus, denn da leuchten sie grün anstatt dem normalen schwarz. Der Seetang ist am Boden verwurzelt und hat einen langen Schlauch bis zur Oberfläche, wo dann die Blätter in den Wellen auf und ab schwimmen.
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    Ab und zu mache ich auch halt um den Wellen zuzuschauen. Es ist schon imposant zu sehen wie eine Welle sich langsam auftürmt wenn sie auf den Strand zurollt bis sie bricht und einen langen Tunnel bildet, welcher in einem lauten getose kollabiert, dabei teilweise hohe Fontänen speut und schlussendlich einen breiten Schaumteppich hinterlässt.
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    Den ersten Campingplatz übersehe ich, aber der ist sicher geschlossen, sonst wäre da ein Schild gewesen. Der zweite hätte Platz für mich, aber kein fliessendes Wasser. Der dritte und letzte hat Wasser und ist voll. Für so arme Velofahrer wie mich ist aber immer Platz und so stelle ich das Zelt gleich auf, nur um dann zum Strand zu gehen. Dort will ich die Sonne und den Sonnenuntergang geniessen. Mit der Zeit versammeln sich immer mehr Leute um den Sonnenuntergang anzuschauen. Ich sehe sogar noch einige Delfine springen in den Wellen. Die Wolken verdecken aber die Wolken und die Leute zotteln wieder davon. Ich warte noch länger und irgendwann bin ich der Meinung, dass da nichts mehr kommt und ziehe auch ab. Dabei liege ich so falsch, denn einige Minuten später ist der Himmel feuerrot. Also schnell aufs Velo zum Strand um das zu fotografieren. Einige Fotos bekomme ich noch, aber von unten wäre es schon besser gewesen. Das nächste Mal brauchd ich also noch mehr Geduld.
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    Der Hunger war eben schuld und hat mich zum Zelt gezogen, denn das Abendessen will gekocht werden. Auch die Wäsche will gewaschen werden und ich muss zumindest die Sonnencrème wegbekommen, auch wenn es keine Duschen gibt. Das klappt alles problemlos sogar im dunkeln.

    Distanz: 57km

  • Big Sur

    So wirklich gut habe ich nicht geschlafen, denn bei der Motelwahl habe ich übersehen, dass ich genau in der Einflugschneise zum Flughafen bin. Mit den Ohrenstöpsel ist es schon gegangen.

    Der Morgen lädt eher zum im Bett bleiben als zum Velofahren ein. Es ist kalt und hat Hochnebel. Da ich nun wieder in die Wildnis fahre, mache ich mal die Planung. Heute muss ich bis Big Sur fahren und dort campieren. Danach kommt länger nichts. Einkaufen und Geld abheben muss ich auch noch hier in der Stadt. Nach der Planung dusche ich mal schön lange, denn heute wird ja wieder campiert. Frühstück gibt es sogar auch hier im Motel, aber halt nur der ziemlich tiefe amerikanische Standard.

    Gegen 10:00 schaffe ich es doch noch auf die Strasse und schlängle mich durch die Velowege über den Hügel. An einer Bank halte ich an um Geld abzuheben, doch es funktioniert keiner meiner beiden Maestrokarten, obwohl der Automat es unterstützen würde. Das ist leider ganz normal hier, denn es funktioniert nur etwa jeder 10. Bankomat.

    Da ich vorher die Safeways rausgesucht habe, weiss ich genau wo an meinem Weg einer ist. Dort ist auch gleich eine Bank of America, die meine Karten akzeptiert. Vor dem Einkaufen esse ich noch auf was ich habe, es ist ja schon Mittag. Dann kaufe ich vor allem auch Früchte und Gemüse ein, denn so etwas findet man in kleinen Läden nicht.

    Frisch gestärkt und vollbepackt geht’s weiter auf dem Highway 1, auch Cabrillo Highway genannt, und bald lasse ich die letzten Häuser hinter mir. Um 14:00 mache ich Pause und bin erstaunt, wie wenig weit ich bis jetzt gekommen bin: 20km. Das hat wohl einige Gründe: der Gegenwind, die recht komplizierte Navigation, die hügelige Landschaft und nicht zuletzt auch meine Motivation, die bei dem Wetter nicht so hoch ist.
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    Wieder an der Küste ist die Aussicht schon sehr schön, aber sie wäre halt mit ein wenig Sonne noch einiges besser. Auch richtig nervend sind die Kolonnen von Autos, die an mir vorbei ziehen, denn es gibt hier keinen Velostreifen. Ich frage mich was die alle hier wollen, denn die Strasse führt ins Nichts und durchs Tal ist es viel schneller. Es sieht so aus, als ob das alles Touristen sind. Ich glaube, ich stelle ein Schild auf, dass Oregon viel schöner ist und sie alle umdrehen sollen.
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    Weit am Horizont über dem Meer sehe ich das Ende des Nebelbandes. Es bleibt also die Hoffnung, dass morgem wieder die Sonne kommt. Aber das werde ich ja sehen. Allzu schnell komme ich immer noch nicht voran, die Fotostops bremsen auch recht. Dass ein wunderschöner Strand eingezäunt ist weil er Privatbesitz ist finde ich auch nicht gerecht. Aber das ist halt Amerika: zugänglich sind nur die State- und Nationalparks.
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    Je näher Big Sur kommt, desto schneller komme ich vorwärts. Richtig gut gefällt mir, dass sie es hier schaffen Brücken zu bauen anstatt die Strasse zum Meer runter und wieder koch zu führen. Hier ist der Highway 1 viel angenehmer zu fahren als nördlich von San Francisco.

    Der Campingplatz in Big Sur hat noch Platz für mich. Handyempfang habe ich leider keinen, aber da ein Restaurant nebendran ist, will ich das mit Camping gesparte Geld gleich verprassen und mir ein Steak mit einem guten Bier gönnen. Wifi haben sie auch, und so kann ich den Blog aktualisieren.

    Distanz: 52km