Der Start ist relativ früh, um 7:30 ist Abfahrt zur Todesstrasse. Die ist zum Glück nicht so weit weg für den Bus, so dass wir etwa um 9:00 auf dem Pass nicht weit von der Schneegrenze sind. Nun bekommt jeder seine Bikeausrüstung und das Mountainbike.
Die ersten 20 km sind erstmal Asphaltstrasse den Berg runter. Hier können alle Teilnehmer sich an das Velo gewöhnen und es zeigt sich wer etwa wie schnell ist. Die Männer sind allgemein viel schneller als die Frauen, einerseits wegen dem Gewicht und andererseits weil sie auch lieber schneller fahren. Als ich einmal hinten starte bin ich sofort auf der Überholspur. Vorsichtig fahren ist bei den beiden Amerikanerinnen auch angebracht, denn eine ist 71 Jahre alt und will sich und anderen älteren Amerikanern beweisen, dass es keine Alterslimite gibt. Die Andere ist zwar noch jung, aber schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf einem Velo gesessen.
Nach der asphaltierten Strasse kommt nun die effektive Todesstrasse. Den unrühmlichen Namen hat sie wegen den vielen tödlichen Unfällen bevor die neue Strasse eröffnet wurde. Die Kombination von enger, kurviger, ungesicherter und teilweise einspuriger Kiesstrasse mit steilem Abhang als Nadelöhr für die Verbindung von Metropolen ist definitiv nicht optimal. Beim schlimmsten Unglück sind über 100 Leute ums Leben gekommen als ein Bus im den Abgrund stürzte. Dank der seit 2006 eröffneten neuen Strasse ist die Strecke für den Verkehr entschärft und die alte Strasse bleibt nun ein beliebtes Erlebnis für Touristen. Auch als der Verkehr sich über die Todesdtrasse quälen musste wurden schon Biketouren angeboten, natürlich mit viel mehr Nervenkitzel bei all dem Nervenkitzel. Eine Besonderheit der Strasse ist, dass hier Linksverkehr herrscht. Der Grund ist ganz einfach, dass der Fahrer beim Abgrund ist und somit eben sieht wie viel Platz er noch hat bevor er abstürtzt.

Der oberste Teil ist auch gleich der Schlimmste, denn die Strasse ist eng und kurvig mit steilem Abhang links. Schwierig ist das mit dem Bike nicht zum fahren, aber man muss den Kopf halt bei der Sache haben. Schliesslich kamen da ja früher ganze Lastwagen mit Gegenverkehr durch. Aber auch die Länge und Höhendifferenz ist nicht ganz ohne mit insgesamt ~50km resp. 3’400m. Man fährt also fast von der Schneegrenze in den tropischen Dschungel, wobei die effektive Todesstrasse etwa 30km ausmacht. Wie schon geschrieben, die Strasse selbst ist für eine Mountenbikeroute eher einfach, aber die Länge macht dann halt den Unterschied wenn die Konzentration nachlässt. So stürzen leider beide Amerikanerinnen, wobei sich die Jüngere die Schulter prellt und den Ellbogen leicht schürft. Fahren kann sie die Strecke trotzdem noch zuende. Die Altere hat zum Glück keine Verletzungen und trägt nur dreckige Kleider davon. Dreckig werden die Kleider aber sowieso, denn häufig fliesst Waser über die Strasse und ab und zu muss sogar ein Bach durchquert werden.

Unten angekommen sind alle froh es geschafft zu haben und werden zu einem wohlverdienten Bier eingeladen. Optional kann man noch Ziplining machen. Da ich das bis jetzt noch nie gemacht habe, probiere ich es auch gleich aus. Auch die 71 jährige Amerikanerin lässt sich das nicht entgehen. Es ist wirklich spassig, vorallem die “Superman”-Position wo man flach auf dem Bauch liegend durch die Luft gleitet. Für jemanden, der schon Gleitschirm geflogen ist, hält sich der Nervenkitzel aber in Grenzen.
Bei einer Tierpflegestation gibt es anschliessend Abendessen und die Rückfahrt über die neue Strasse. Der Verkehr in La Paz ist unglaublich: alles steht, zu Fuss ist man schneller. Die Kreuzungen werden von allen Seiten blockiert und die Autos drängeln sich dicht an dicht. Dazwischen schlängeln sich die Fussgänger durch.
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