Category: Travel

  • Der kürzeste Tag

    Heute ist der kürzeste Tag im Jahr mit nur 11h 31min Sonnenschein hier in Cartagena. Bei dieser kurzen Tagesdauer macht es ja kaum Sinn etwas zu unternehmen.

    Ich probiere es trotzdem und bummle durch die Einkaufsmeilen. Sofort fällt einem auf, dass die meisten Geschäfte entweder Computer, Handys oder Schönheitsprodukte verkaufen. Computer- Handy- und Schminkzeuggeschäfte gibt es ja bei uns auch, aber hier ist man noch viel spezialisierter, z.B. auf Shampoo. Auch ganz interessant sind die vielen Kopiershops, und daneben werden gleich Kopierer verkauft.

    Gegen Abend mache ich einen Rundgang auf der Stadtmauer. Das ist recht besonders hier, denn bei den meisten Mauern kommt man ja nicht hoch, aber hier kann man rund um die Stadt gehen auf den Mauern.

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  • Arme Motorradfahrer

    Heute bin ich schon um einiges fitter, nichts tun hilft also ganz gut. Deshalb bleibe ich noch ein wenig in der Jugi und rede mit den Leuten bevor ich mich in die Stadt mache.

    Die 3 Kollegen, welche mit mir und ihren Motorrädern hierher geseglt sind, haben es nach viel Papierkram und Wartezeit endlich geschafft, die Fahrzeuge an Land zu schaffen. Die Reise mit Motorfahrzeugen ist allgemein kompliziert in Lateinamerika, da sie an jeder Grenze importiert und dann wieder exportiert werden müssen. Wartezeiten von mehreren Stunden am Grenzübergang sind da ganz normal. Kolumbien schlägt das aber locker mit mehrtägigen Wartezeiten. Da die Motorräder an Deck des Schiffs angebunden waren, wurden sie auch regelmässig mit Salzwasser geduscht. Das hat nun einige Spuren hinterlassen, jegliches nicht geschütztes Eisen ist rostrot. Besonders die Bremsscheiben wurden massiv angegriffen, aber auch teilweise innere Teile wie die Feder im Kupplungshebel. Ein Motor macht bei gewissen Drehzahlen ein massives Klappergeräusch seit der Überfahrt. Der Fahrer hofft nun, dass es nur temporär und nichts Schlimmes ist. Nach einer sehr gründlichen Reinigung ist hoffentlich alles Salz weg. Empfehlen würde kein Fahrer diese Segelfahrt, denn sie war weder für die Fahrer noch für die Motorräder gesund. Wenn schon, dann muss der komplette Töff mit einer Plane abgedeckt werden, damit kein Spritzwasser ran kommt.

    Gegen Abend mache ich noch eine Tour durch die Altstadt und esse an den vielen Ständen was. Das Essen ist wirklich gut auf der Strasse!
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  • Cartagena

    Die Nacht habe ich ganz gut geschlafen, auch wenn es sich ab und zu noch angefühlt hat, als ob das Bett sich in den Wellen bewegt. Trotzdem bin ich den ganzen Tag noch so richtig müde. Ich weiss nicht so recht ob es von zu wenig Schlaf oder vom zu viel rumliegen kommt. Deshalb mache ich mich trotzdem auf den Weg in die Altstart und an die Karibikküste.

    Es ist ganz spannend durch die Stadt zu schlendern, denn viele Haustüren stehen offen und man kann in die Wohnzimmer mit den Sofas und Fernseher sehen. Die Küste erinnert ein wenig an Hawanna mit der breiten Strasse und den Wellen, die die Strasse duschen.

    So richtig fit werde ich auch nicht. Ich gehe also davon aus, dass ich zu wenig geschlafen habe und mache es mir auf dem Liegestuhl im Innenhof der Jugi bequem.

    Am Abend gehe ich nochmals raus zum Abendessen. Da merkt man richtig, dass man in Kolumbien ist, auf der Strasse wird nicht nur Hanf, sondern auch direkt Kokain angeboten.

  • Land in Sicht

    Das Boot hat über Nacht endlich vernünftigen Wind bekommen und an Fahrt bekommen. Der Seitenwind drückt die Segel mit dem ganzen Schiff in eine Schieflage, was somit auch heisst, dass mein Bett schief ist. Trotz der Schieflage und dem Geschaukel habe ich halbwegs gut geschlafen.

    Bei Sonnenaufgang laufen wir auch schon im Hafen von Cartagena ein. Die immer noch seekranke Gruppe kann es kaum erwarten wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Zum Glück sind das nicht mehr viele, bei den Meisten haben die Tabletten geholfen.

    An Land zu stehen ist nun ein komisches Gefühl, irgendwie ist mir und den anderen fast schwindlig für ein paar Stunden. Als erstes müssen alle Geld abheben vom Bankomaten. Ich wiederstehe der Versuchung eine Million Pesos abzuheben, obwohl das nur etwas mehr als 300 Franken sind. Der Kurs ist 3000 Pesos für 1 Franken.

    Die Taxis sind unglaublich klein, mit Gepäck passen nur 2 Personen rein. Zum Glück wollen sowieso alle ins gleiche Viertel, dann teilen wir halt die Taxis auf und ich ziehe in die Jugi wo viele andere sind.

    Nun kann ich endlich mal wieder die Fotos sichern und die Blogeinträge abschicken. Dann wird die nahe Umgebung angeschaut und am Abend gibt’s noch ein letztes Treffen mit der Segelgruppe, welche sich noch zum Weihnachtsmarkt begibt. Das Land hat nun auch seine Wirkung gezeigt und alle sind wieder fast komplett fit.

  • Rückblick Segeltour

    Die Tour hinterlässt gemischte Gefühle. Mein Magen war zum Glück stabil genug und brauchte nicht mal Tabletten um nicht Seekrank zu werden. Bei anderen haben die Tabletten nichts gewirkt und sie breichten von schrecklichen Erlebnissen. Für Gefährdete ist diese Tour definitiv nicht empfehlenswert. Die etwa 36-stündige Fahrt auf dem offenen Meer kann da zu einem Horrortrip werden.

    Aber auch für mich war die Fahrt nicht so angenehm, auf offenem Meer, und das waren immerhin 3 von 5 Nächten, konnte ich schlecht schlafen. Der Motorenlärm, die Abgase, das Schaukeln des Bootes und die engen Platzverhältnisse sind nicht gerade bequem. Die Stimmung an Board wird auch für Gesunde zunehmend schlechter wenn alle sich übergeben müssen.

    Die Inseln wiederum haben mir ganz gut gefallen. Die Meisten sind noch komplett natürlich, was halt auch mit Plastikflaschen verschmutzte Strände mit sich bringt. Die Karibik ist halt leider eine riesige Mülldeponie. Schnorcheln war meistens nicht so der Hit, aber das letzte Riff war wirklich schön. Die Küche an Board war auch immer sehr gut und die Köchin hat definitiv meinen Respekt verdient bei diesen Bedingungen zu kochen.

    Dass an Board Süsswasser gespart werden muss ist irgendwie klar, jedenfalls wenn kein Salzwasser aufbereitet werden kann. Dass man über 5 Tage nicht richtig duschen kann ist wiederum nicht sehr praktisch. Man kann sich zwar an Deck mit ein wenig Wasser übergiessen, aber die intimeren Körperteile bleiben da aussen vor in der Öffentlichkeit. Mit richtig duschen und Haare waschen hat das auch nichts zu tun. Jedenfalls freut man sich auf eine gute Dusche an Land.

    Dass wir kaum richtig gesegelt sind ist auch schade, denn das wäre um einiges angenehmer gewesen in der Nacht ohne den Motor. Gegen den Wind kann der Zeitplan halt besser eingehalten werden mit dem Motor.

    Zusammenfassung: wer schnell Seekrank wird sollte diese Tour besser sein lassen. Für alle anderen ist es ein Erlebnis, von dem man später noch erzählen kann.

  • Ein Tag auf See

    Bei all dem Gerüttel konnte ich wieder kaum schlafen. Als jemand “Delfine” ruft, schaue ich nur zur Luke beim Bett raus um einen zu sehen. Um meine Haut vor Sonne und Sonnencrème zu schützen bleibe ich den ganzen Tag unter Deck und höre Musik. Für sowas habe ich zum Glück vorgesorgt und bei Spotify ganz viele neue Alben runtergeladen. Um nicht Rückenweh zu bekommen bei dieser ganzen Liegerei ist ab und zu Stellungswechsel abgesagt.

    Nach Sonnenuntergang gehe ich wieder aufs Deck um mich ab und zu voll spritzen zu lassen. Ohne jegliche Beleuchtung (ausser unser Schiff) in der Umgebung sieht man die Sterne ganz gut.

    Der Grossteil der Leute ist wieder fit, nur 1-2 sind immer noch Seekrank. Die sehnen sich nach festem Boden. Bei 8-12km/h dauert das aber noch bis morgen früh.

  • Rückblick Panama

    Panama ist einerseits ein ganz typisches Land in Lateinamerika, andererseits eben gar nicht. Den Unterschied macht der Kanal, er bringt Unmengen ins Land, was man insbesondere an Panama Stadt sieht. Dort steht sicher die schönste Skyline und Uferpromenade von Mittelamerika und kann sich auch weltweit gut schlagen.

    Die Armmut ist trotzdem da unter der Bevölkerung, auch wenn sie fast keine Steuern bezahlen müssen. Dieser Teil ist dann halt der typische für Lateinamerika. Es ist somit möglich die 1. und 2. Welt in einem Land zu sehen. Viele Teile von Panama sind immer noch komplett bewaldet und kaum bewohnt. Insbesondere die “Darien Lücke”, also die Grenze zu Kolumbien, ist doch extrem speziell, denn es führt keine Strasse durch dieses gefährliche Rebellengebiet. Dort durch muss man entweder mit dem Schiff oder mit dem Flugzeug, was so richtig mühsam wird wenn man ein Fahrzeug dabei hat.

  • Und tschüss, Panama

    Auch diese Nacht war ruhig und still im Schutz einer Insel. Wir segeln noch zu einer anderen Insel um dort den Strand zu geniessen und zu schnorcheln. Das Riff hier ist wirklich wunderschön im Gegensatz zu den Vorherigen. Es gibt einiges zu sehen, unter anderem auch eine Languste. Da gehe ich gleich zwei mal hin.
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    Der Sandstrand ist schön feinkörnig und erinnert mich an die Kindheit. Da kann ich nicht wiederstehen und fange an eine Sandburg zu bauen.

    Am späteren Nachmittag fahren wir los an den Untiefen vorbei aufs tiefe Meer. Die Wellen werden wieder höher, besonders an den wenig tiefen Stellen. Auch das offene Meer begrüsst uns mit rechten Wellen und bringt das Boot recht zum wanken während die Lasagne als Abendessen verteilt werden. Einige Leute haben eher gegenteilige Gedanken als Essen, trotz Tabletten.

  • Driftschnorcheln

    Nach einem langen und tiefen Schlaf in der geschützten Bucht fahren wir ein wenig weiter zur nächsten Insel. Es ist die mit Abstand kleinste Insel und wurde von diesem Boot als “Wild Card” Insel getauft. Der letzte Sturm hat sie auf wenige Meter schrumpfen lassen, und bald wird sie ganz weg sein.
    Wir machen nur einen kleines Fotoshooting dort und segeln gleich weiter zur nächsten Insel, der Barbecue Insel. Diesmal ist die Insel zu weit weg um direkt dorthin zu schwimmen, also gehen wir mit dem Beiboot. Die Insel ist komplett mit Gras und Palmen bedeckt und hat eine Sandbank vordran mit Volleyballfeld im Wasser.
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    Nun wird auf den Hängematten gelesen, auf der Wiese unter den Palmen geschlafen, Fussball oder Volleyball gespielt. Ich gehe mit zum Schnorcheln. Hier draussen ist ein Riff bis wenige Centimeter unter der Wasseroberfläche wo die Wellen darüber brechen. Zu diesem Riff gehen wir natürlich nicht, aber es erzeugt eine starke Strömung vom Meer her um die Insel. Man kann also auf der einen Seite ins Wasser springen und sich um die Insel treiben lassen. Eine Stelle ist besonders interessant, dort wo viele Palmen im Sand liegen. Unter den Palmen suchen kleine Fische Schutz, und sogar eine kleine Languste. Die Insel eignet sich auch um viele schöne Fotos zu schiessen. Ich finde sogar raus, wie ich die Tropfenbildung aussen auf der Unterwasserkamera verhindern kann wenn die aus dem Wasser ist: einfach gleich wie die Tauchermaske behandeln, dann bildet sich ein dünner Wasserfilm aussen und eben keine Tropfen.

    Ein riesiger Stapel Schwemmholz wurde für uns bereit gemacht und am Abend angezündet. Naja, jedenfalls versuchen wir es, denn mehr als die dürren Palmwedel brennt nicht. Das Holz ist schlicht zu nass um richtig zu brennen, und es wurde auch falsch gestspelt, denn um so einen grossen Haufen richtig in Brand zu setzten müssen in Eindrichtung kleine, dürre Äste entzündet werden, auf die dann mit dem Wind immer grössere Aste gelegt werden. Dann kann obendrauf das nasse Holz trocknen. Einen schon nassen Stapel anzuzünden funktioniert leider nicht.

    Zurück auf dem Schiff gibt es Languste zum Abendessen, ist nicht wirklich mein Ding, aber ich habe sie gegessen. Auch dass man alles mühsamst aufbrechen muss mag ich nicht.

  • 1000 kleine Inseln

    Nach einer mehr oder weniger schlaflosen Nacht kommen wir zu den San Blas Inseln. Fast allen an Board geht es unterdessen wieder gut, auch ich bin erstaunlich fit. Jetzt zwischen den Inseln ist das Meer auch weniger Rauh und die Fahrt dementsprechend gemütlicher.
    Einheimische kommen an Board um ihren Schmuck zu verkaufen, danach fahren wir noch ein wenig weiter und ankern im Wellenschatten zweier Inseln. Ich schnorchle direkt raus zur Insel, zu sehen gibt es aber nicht so viel im eher trüben Wasser.
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    Die Insel ist was man sich unter einer karibischen Trauminsel vorstellt: schöne, weisse Strände umgeben von Riffen, keine Mücken und die Insel selbst ist wenige 100m gross mit vielen Kokospalmen.
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    Viel mehr als Kokospalmen wächst hier auch nicht, aber auf der anderen Seite ist eine kleine Siedlung mit 3 Häusern.
    So ziemlich den ganzen Tag verbringen wir hier mit schwimmen, Volleyball und Yoga. Eine der Teilnehmerinnen ist Yogalehrerin und macht gleich mal eine Lektion. Ich beschäftige mich eher mit der Hängematte und dem Badestrand.
    Ganz beliebt ist hier die “Coco Loco”, eine geöffnete, frische Kokosnuss mit Rum verfeinert.
    An diesem Abend bleiben wir in der sicheren Bucht um dort zu übernachten. Ein wenig schwankt das Schiff schon, aber damit kommen alle gut zurecht. Wirklich lange wird trotzdem nicht gefeiert, denn alle sind müde und wollen früh in die Kojen.