Category: Travel

  • Rückblick Kuba

    Kuba nimmt sicherlich einen besonderen Platz unter den Ländern Lateinamerika ein. Es ist um einiges sicherer als die meisten anderen Länder, obwohl viele Leute sehr arm sind.

    Der Sozialismus hat massive Spuren hinterlassen: eine Kluft zwischen den Hautfarben wie z.B. in den USA scheint es hier viel weniger zu geben. Auch die typischen riesigen Denkmäler sozialistischer Staaten sind allgegenwärtig. Die hohe Bildung bemerkt man z.B. bei den Bilderverkäufern in den Märkten. Die Maler verstehen alle ihr Handwerk viel besser als in den anderen Ländern.
    In den Geschäften ist der Sozialismus extrem gut zu sehen: von den meisten Produkten gibt es genau eine Marke und eine Auswahl, wenn überhaupt. Häufig fehlen auch ganze Kategorien. Auffällig ist auch, dass es keine Glühbirnen mehr gibt. Überall sind genau dieselben Stromsparbirnen verschraubt. Beim Bier gibt es genau 2 Sorten: das leichtere Cristal und das stärkete Bucanero. Zumimdest sind die Verpackungen recht ansehnlich gestaltet, so dass man die Planwirtschaft nicht von weitem riecht.

    Auch das jahrzehnte andauerne Wirtschafsboykot hinterlässt sichtbare Spuren. Viele neue Autos sind seit Anfang der 60er nicht mehr importiert worden. Die alten werden mit allen Mitteln am Leben erhalten. Das macht natürlich den Charm von Kuba aus und dafür ist es ja auch bekannt. Die Autos werden dadurch aber auch teurer, was zur Folge hat, dass auf dem Land immer noch mit Pferden und Kutschen gearbeitet wird. Auch ein öffentliches Transportsystem wie in allen Mittelamerikanischen Ländern existiert kaum. Die Leute stehen am Strassenrand und machen Autostopp. Stau hätte ich auch nie gesehen, dafür gibt es einfach zu wenige Autos. Havanna selbst ist ein extremes Beispiel für den Zerfall: viele Gebäude in der Altstadt sind nicht nur baufällig, sondern teilweise zusammengestürzt. Trotzdem ist alles bewohnt.
    Die Internetverbindung hier ist auch so eine Sache. Es gibt unterdessen ein Unterseekabel nach Venezuela, aber Private Internetanschlüsse gibt es kaum. Man muss zu einem öffentlichen Wifi Hotspot gehen, der häufig von Hotels betrieben wird, und sich dort mit einer Karte für $2/h anmelden. Dies gilt nicht nur für Touristen, sondern auch für die Einheimischen. Mobildaten gibt es scheinbar nicht oder nur viel zu teuer. Swisscom Roaming wäre CHF 100 für 200MB an Daten, und das bei einem kaum funktionierenden Netz. Irgendwelche Zensuren hätte ich nicht gemerkt, gesucht habe ich aber nicht danach. Meiner Meinung nach sollte Kuba hier massiv nachbessern, denn gerade für Touristen ist schnelles Internet ein Muss.
    Amerikanische Firmen und Traditionen sucht man hier vergebens. Touristisch ist Kuba auf Europa ausgerichtet und dementsprechend sind auch z.B. die Speisen im Restaurant.

    Wer noch den alten Charme von Kuba erleben möchte, der hat meiner Ansicht nach noch viel Zeit. Das ganze Land zu modernisieren dauert noch Jahre, und naja, in Kuba eher Jahrzehnte. Dazu kommt, dass der Tourismus in Kuba immer wichtiger wird. Da die Touristen eben explizit das alte Kuba sehen wollen, wird es auch so erhalten bleiben. Ich denke sogar, dass eine Kubareise in 10 Jahren noch interessanter sein wird, da bis dann die Infrastruktur für die Touristen massiv verbessert sein wird und alles viel einfacher ist. Naja, und zerfallene Gebäude will ich ja auch nicht unbedingt sehen! Bei den Oldtimern kann ich mir ganz gut vorstellen, dass sie ganz schnell in die USA verschwinden sobald der Markt offen ist dafür. Die Angebote der Sammler dort werden sicher zu verlockend sein. Das wird also spannend werden. Auch wie die Beziehung dann zu den USA sein wird, denn die Amis haben da noch ganz viele Rechnungen von enteigbetem amerikanischem Besitz offen. Und wenns ums Geld geht, da kennen die Amis bekanntlich keinen Spass und keine Verjährungsfrist.

    Um möglichst viele harte Devisen einzunehmen, hat sich Kuba dem Tourismus verschrieben. Während der Kriese der 90er wurde eine neue Währung eingeführt, den Peso Convertible, welcher ab den Dollar gekoppelt ist und momentan etwa 25x mehr Wert hat als die nationale Währung. Dies nutzt Kuba klar aus um die Touristen möglichst gut zu melken, eine einstündige Taxifahrt um die Stadt kostet so viel wie ein Lehrer in 2 Wochen verdient. Da auch viele Kubaber Taxi fahren, ist es sicher massiv günstiger für sie. Auch Hotels gibt es unterschiedliche für Kubaner und Touristen. Für die Bevölkerung ist das jetzt ein Problem, denn nun vierdient jeder, der im Tourismus arbeitet plötzlich um Faktoren mehr als jemand, der studiert hat. Und alle, die ein wenig Englisch können, versuchen nun ihr Glück. Man kann auch kaum 100m spazieren ohne von irgendwo “Taxi” zu hören, mit der Zeit wird das richtig lästig. Besonders wenn sie nicht einfach ignoriert werden möchten. Was man auch gut merkt, ist dass niemand will, dass man wie ein Kubaner lebt. Der Tourist hat das Taxi oder den Touribus zu brauchen, nicht den normalen. Auch das richtig günstige Essen gibt es nur in der nationalen Währung. Wobei man an den richtigen Orten auch mit der Touristenwährung recht günstig essen kann.

    Auffällig ist, dass es scheinbar an vielem mangelt. Eine Sängerin entschuldigt sich, dass eine Saite ihrer Gitarre kaputt ist. Eine neue zu bekommen sei sehr kompliziert. Im Restaurant gibt es die Hälfte der Speisekarte nicht und auch in den Geschäftern sind die Regale leer oder immer mit dem Gleichen gefüllt. Wobei, wenn man weiss wo und das nötige Kleingeld hat, dann bekommt man alles.

    Die alten Autos sind ja schon bekannt. Neben der schönen und nostalgoschen Seite haben sie ist aber auch eine dreckige: die Motoren sind auch nicht neuer und pusten alles möchliche in die Luft. Benziner ziehen eine weisse Rauchfahne nach und die vielen Dieselumbauten eine schwarze. Die Strassen selbst sind in einem erstaunlich gutem Zustand. Schlaglöcher gibt es zwar, aber nicht so viele wie in anderen Ländern. Einzig auf die Schachtdeckel muss man achten, die fehlen gerne mal oder sind durchgerstet. Fussgängerstreifen gibt es auch nirgendwo, man überquert einfach die Strasse nach gutdünken.

  • Die Strassen von Havanna

    Die Sonne ist wieder da, also versuche ich mein Glück nochmals auf der anderen Seite der Bucht um ein Foto von Havanna zu schiessen. 9:00 ist schon fast spät, aber die Bilder kommen trotzdem gut. Retour gehe ich auch wieder mit dem Bus, denn der fährt alle 40min. Sagen sie jedenfalls, denn nach dem 3. Bus in die falsche Richtung und 90min warten, kommt doch noch einer. Ein Taxi wäre viel schneller gewesen.
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    Wieder zurück schlendere ich nochmals durch Havanna und betreibe noch ein wenig Strassenfotografie.

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    Eine Festung entdecke ich noch und schaue sie an. Wieder mit ganz vielen Kanonen vordran. Auch ist es ein Museum, wo ich natürlich vorbeischaue. Sehr interessant sind die versunkenen Schätze, die sie hier geborgen haben. Gold- und Silberbarren, teilweise wurde das geschmolzene Silber einfach auf eine Platte geleert. Wirklich schöne Formen, denen man auch das Gewicht ansieht, haben sie nicht. Ist ja auch egal, das Gold und Silber ist eh den Inkas und Azteken geklaut, da kommt es nicht auf die Form draufan. Wenn das alles echt ist hier, dann liegt da doch ein rechter Schatz in dem Museum.
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    Die Angestellten hier mögen scheinbar auch ganz gerne Geld. Sie fragen mich wo ich her komme und ob ich schweizer Franken habe. Sie sammeln scheinbar ausländisches Geld, denn das ist hier kaum zu kriegen. Franken habe ich keine, aber ein paar Pesos gebe ich ihnen. Dafür bekomme ich eine Note mit Che Geuvara drauf.

    Etwas später hole ich noch meine angesammelten Münzen aus den anderen Ländern, auch aus der Schweiz, und gebe sie ihnen. Die Münzen sind schneller weg als eine Hand voll Süssigkeiten bei hungrigen Kindern. Ich habe das Gefühl, dass sie sich so ihren Lohn ein wenig aufbessern. Passt aber schon, denn mit den Münzen kann ich sowieso nichts mehr anfangen, und zuhause habe ich schon genug von diesen Ländern.

    Zum Schluss will ich noch den Bahnhof sehen. Hier läuft auch alles anders: die Leute warten vor dem Bahnhof und wenn der Zug kommt, dann öffnen sich erst die Tore damit alle rein und raus kommen. Wohin er geht habe ich nicht gefragt. Einen Fahrplan suche ich erst gar nicht, den gibt es sowieso nur in den Köpfen und wird eh nicht eingehalten.

  • Sturm der Festung

    Nun will ich die Festung auf der anderen Seite der Hafenbucht sehen beim Morgenlicht. Dorthin kommt man am einfachsten durch den Tunnel unter der Hafeneinfahrt durch. Der erste Bus fährt erst um 9:00, aber das passt mir ja gut. Weniger passend ist das Wetter, denn es ist bewölkt. Naja, besser bewölkt als Gegenlicht, passt also.

    Direkt am Meer gibt es eine schöne Aussicht und ganz viele alte Kanonen, die neusten sind vielleicht von 1900 mit ziemlich grossem Kaliber. Sie waren gedacht zur Verteidigung gegen die Engländer und rosten seit langer Zeit vor sich hin. Zentimeterdicke Platten sind komplett durchgerostet. Teilweise wurden sie vor langer Zeit renoviert, also der Rost abgeschlagen und mit Rostschutz bestrichen. Man sieht die Dellen vom Rost vor der Renovation und man sieht wie der Rost bei den Löchern im Rostschutz wieder mehrere Zentimeter tief geht. Ist wirklich krass, man kann sich kaum vorstellen, dass so riesige Mengen Stahl sich in Stein verwandeln können.
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    Hier in der Nähe ist auch das Museum der Kubakriese. Trümmer einer abgeschossenen amerikanischen U2 sind ausgestellt, komplett unbschützt vor Regen und Leuten. Wobei diese U2 aus amerikanischer Sicht ja sowieso nie existiert hat. Das Alter sieht man ihr im Gegensatz zu den Kanonen nicht an, die Legierung korrodiert viel weniger.
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    Viele Artillerie, Raketen und Marschflugkörper aus der Zeit sind auch ausgestellt. Interessant sind die Marschflugkörper, denn es sind umgebaute Mig-15 Jets. Auch die ballistischen Raketen, welche die Kriese ausgelöst haben, sind ausgestellt. Da einige Exponate nicht einmal eingezäunt sind, drehe ich ein wenig an den Einstellungsrädern der Mienenwerfer. Alles lässt sich drehen und funktioniert. Ich habe das Gefühl, dass das ganze Kriegsgerät hier noch funktionstüchtig ist und nur mit Munition und Treibstoff gefüllt werden müsste.
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    Nun ab in die Festung selbst, die als Museum mit Eintritt umgrbaut ist. Der Eintritt ist 6 cuc (etwa 6 Franken) für Touristen und 6 cup für Einheimische. Diese zahlen also 25x weniger.

    Es ist schon fast 10:00, ich muss mich also beeilen um zum stündlichen Salutschiessen zu Ehren Fidels zu kommen. Normalerweise wird nur um 21:00 einmal geschossen, jetzt aber eben um jede genaue Stunde. Zu meinem erstaunen haben sie 6 moderne Geschütze aufgebaut, von denen aber nur eines feuert. Natürlich nur mit Platzpatronen. Ist irgendwie mühsam, so weiss ich nicht welches ich filmen soll. Da es regnet schaue ich erstmal zu und halte die Ohren zu. Knallt verdammt laut.
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    Dann schaue ich die Ausstellung an, viel gibt es nicht zu sehen, nur ein paar alte Schwerter, Folterinsteumente und ein nachgebautes Katapult. Die ehemalige Kommandozentrale von Che Guevara wurde zum Museum umgebaut. Man merkt gut, dass er hier als Held verehrt wird.
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    Die Kanonenschüsse filme ich noch von ein paar anderen Winkeln aus und mache mich dann auf den Retourweg. Das Wetter ist weiterhin sehr schwül, da komme selbst ich zum schwitzen ohne Sonne.

    Den Rest des Tages schaue ich mir noch Havanna an.

  • Strand

    Havanna selbst hat keinen Strand, die Küste ist steinig und verbaut. Wenn man im Hafen die 10cm Sichtweite im Wasser bedenkt, möchte man hier auch lieber nicht ins Wasser. Weiter im Osten soll es aber Strände geben. Laut einem Prospekt gibt es eine Touribuslinie dorthin. Die Köchin hat zwar gemeint, ich soll ein Taxi nehmen, aber man muss nicht immer alles glauben.

    Das Internet funktioniert mal wieder nicht, also suche ich den Bus. So wirklich fündig werde ich nicht, also frage ich bei dem von gestern nach. Meiner ist genau vorne dran, ist ja praktisch. Weniger praktisch ist, dass er nur alle 40min fährt. Dummerweise darf ich jetzt mal 40min warten, scheinbar ist der Bus gerade gefahren. Zumindest kann ich im nächsten Bus warten.

    Beim Strand gehe ich mal raus, spaziere ein wenig und finde einen gemütlichen Platz im Schatten zum liegen. Badekleider habe ich keine dabei, weil ich meine Sachen nicht unbewacht am Strand liegen lassen will. Der Strand ist wunderschön, mit recht hellem Sand, Kokospalmen, ab und zu ein paar wenigen Liegestühlen und kaum Leute.
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    Gegen Mittag kommt Durst und Hunger. Bei der Busstation war ein Restaurant, welches ich anpeile. Essen haben sie nicht, aber eine 1.5l Wasserflasche fast zum Ladenpreis. Mit genug Wasser ziehe ich weiter zu Fuss, um etwa einen Kilometer und unzähligen ignorierten “Taxi, my friend”-Aufforderungen weiter ein wirklich gutes Restaurant mit frischem Fisch zu finden.
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    Auch der weitere Strandabschnitt gefällt mir gut, wobei ich froh bin, richtige Schuhe angezogen zu haben, denn es liegen viele Scherben von Glasflaschen rum. Hoffentlich. schneiden sich vor allem die Verursacher. Etwas weiter liegen die Überreste einer Strandpromenade. Holzpfähle, Beton und Armierunseisen zersetzen sich langsam in den Wellen. Auch am Strassenrand nagt der Zahn der Zeit, scheinbar wurde für die Leitplanken und Pfähle billiger Beton benutzt, der aufgeplatzt ist und nun das Eisen rosten lässt. 2cm dicke Eisen sind an einem Ort auf 2mm dicke zusammengerostet.
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    Auf der Rückfahrt schaue ich noch bei der Festung vorbei, aber die besichtige ich besser am Morgen, denn jetzt blendet die Sonne überall.

    Bei der Bibliothek funktioniert das Wifi sogar recht gut, obwohl hier viele Surfer versammelt sind.

  • Touristenbus

    Das Casa Particular, in dem ich bin, ist eigentlich eine kleine Wohnung. Die Besitzerin wohnt selbst nicht hier, es ist also alles für mich. Sie kommt aber extra hier her um mir Frühstück zu machen, und zwar dann wenn ich gerne möchte. Das Frühstück ist ganz gut, man merkt, dass sie sich sehr mühe gibt, dass alles perfekt ist.

    Als erstes muss ich mal wieder auf Internetsuche gehen. Diesmal klappt es gut, denn am Morgen wird noch nicht so gesurft und die Netze sind noch nicht überlastet. So kann ich den neuen Beitrag auf diesem Blog hochladen.

    Danach hüpfe ich auf den Hop-on Hop-off Touristenbus um mal zu schauen was der zu bieten hat. Er geht recht weit in den Westen, so weit war ich noch gar nicht. Vom oben-ohne Doppeldeckerbus aus kann man gute Fotos schiessen, jedenfalls wenn der Bus steht. Beim Platz der Revolution steige ich aus um zu sehen was los ist. Die vielen Leute sind weg, aber der Platz ist immer noch gesperrt. Also ziehe ich mit dem nächsten Bus weiter bis in die Altstadt und schaue mir die nochmals genau an.
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    Am Abend wäre Gerüchten zu folge noch eine Ansprache von Raul Castro auf dem Platz der Revolution. Meine Beine melden aber zu grosse Müdigkeit, Lust auf Menschenmassen habe ich nicht und die Politik hier überlasse ich lieber den Kubanern.

  • Ende der Tour

    Heute ist schluss mit Lustig, die Tour ist zu Ende und die Teilnehmer ziehen ab. Ich bleibe noch ein wenig hier in Havanna, aber in einem Casa Particular, also einem Zimmer in einem Privathaus.
    Nach dem Tod von Fidel ist immer noch einiges los. Seine Urne soll am Platz der Revolution aufgestellt sein. Da hin gehe ich nun, denn der Platz ist nicht weit vom Hotel. Ganz der Einzige bin ich nicht, überall stehen die Kubaner Schlange um auf den weitum abgeriegelten Platz zu gelangen. Ab und zu hört man ganze Chöre singen auf Fidel.
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    Zusammen mit einem Paar von der Tour fahre ich im Taxi zum Zentrum um nach einer Wechselstube zu suchen. Zuerst schauen wir einen Flohmarkt an. Die dort angebotenen Bilder sind wirklich faszinierend. Man merkt, dass die Künstler alle studiert haben und ihr Handwerk verstehen. Mitten im Flohmarkt kann ich endlich meine Pesos aus Mexiko wechseln, das habe ich nun schon ein paar Tage lang erfolglos versucht. Viele Hotels wechseln nur Euro oder Dollar, wobei die Dollar eine Strafsteuer von 10% haben. Meine Restlichen Pfund konnte ich immerhin wechseln. Auch Bankomaten gibt es, die funktionieren.

    Wieder zurück im Hotel hole ich meinen Rucksack ab und nehme ein Taxi zum nächsten. Dies ist mitten in einer nicht wirklich schönen Gegend der Altstadt. Da alles gut angeschrieben ist, finde ich es gut. Das Innere überrascht wirklich, alles ist neu renoviert und wunderschön eingerichtet.

    Nun kommt das grössere Problem: Internet. Im vorherigen Hotel hatte es teilweise funktionierendes Internet, aber hier ist alles nach kubanischem Standard. Man muss eine Karte kaufen und in einem Park ein Wifi suchen. Das klappt nicht wirklich. Nachdem ich den richtigen Ort gefunden habe, kann ich keine Verbindung aufbauen. Scheinbar sind zu viele Leute am surfen. Zurück im Casa schalte ich testweise die Mobildaten ein und schaue ob ich eine Verbindung bekomme. Halb voll mit 3G ist nicht schlecht, aber auch hier funktioniert die Datenverbindung nicht. Das Roaming wäre eh viel zu teuer hier, aber trotzdem irgendwie interessant: so könnte ich die in der Schweiz gebliebenen immerhin rund um die Uhr mit Nachrichten nerven anstatt kurz was schicken und sofort wieder offline zu sein. Aber eben, Kuba ist ein guter Ort um sich vom Alltag zu entkoppeln und eben keinen Kontakt nachhause zu haben!

  • Zurück nach Havanna

    Returfahrt nach Havanna mit Mittagssen im Restaurant Starbien. Ist wirklich gut dort!
    Den Nachmittag und Abend liege ich am Pool. Muss auch mal sein.

  • Hasta la victoria, siempre!

    Der heutige Tag wird vom Tod Fidel Castros überschattet. Das ganze Land ist nun in Staatstrauer. Es wird keine Musik gespielt und kein Alkohol ausgeschenkt. Vor allem für die ältere Generation, die die Regierung von Batista erlebt haben, ist Fidel Castro zusammen mit Ernesto “Che” Guevara und Camilo Cienfuegos. Was die drei damals erreicht haben ist eigentlich unglaublich: von einem Schiff aus Mexiko her sind sie mit insgesamt 7 Männern angekommen. Den Rest  haben sie im Sturm verloren. Fidel soll damals gesagt haben: wir werden diesen Krieg gewinnen. Sie hatten einen derart grossen Rückhalt in der Bevölkerung, dass die Gruppe schnell angewachsen ist und sich ihnen sogar feindliche Soldaten angeschlossen haben. Später hat die USA eine kleine Armee aus Exilkubanern aufgestellt und dasselbe versucht. Diese Bemühungen waren vergebens, die Leute standen hinter Fidel und beendeten den Angriff schnell.

    Mit dem Zusammenbruch der UdSSR kam eine grosse Kriese übers Land: Kuba produzierte damals nur Zuckerrohr für die UdSSR und importiert restlos alle Lebensmittel. Man kann sich also vorstellen was passiert wenn auf einen Schlag keine Lebensmittel mehr da sind und dank dem amerikanischen Boykott der verbleibende Westen als Handelpartner weg fällt. Seit dieser Zeit gewährt die USA den kubanischen Flüchtlingen einen Sonderstatus, was eine riesige Flüchtlingswelle mit sich bringt, die auch heute noch anhält.

    Wir schauen heute das Dorf Viñales an, wo vorwiegend Tabak und Kaffee angebaut werden. Das Leben hier ist sehr einfach: es sind viele Pferdekutschen unterwegs und die Häuser sind klein, meistens mit Palmdächern. Bekannt ist das Dorf, weil es sich komplett dem Tourismus verschrieben hat: fast jedes Haus ist frisch renoviert und bietet Zimmer für Touristen an. Auch auffallend sind die vielen Elektroroller, die hier unterwegs sind. Offenbar sind die günstiger als bezinbetriebene.
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    Das Land sieht mit seinen abgeschliffenen und bewaldeten Bergen sehr schön aus. Hier wächst auch sehr viel, und überall laufen Hühner herum. Die Bauernhäuser wirken sehr zerfallen, Balken sind verrottet und alles ist schief. Ein Haus können wir besichtigen. Der Lebensstandard hier ist sehr tief, etwa vergleichbar mit der Schweiz vor 100 Jahren. Wobei man hier auch weniger braucht, denn es ist ja immer warm. Wenn mal ein Hurricane vorbei zieht und alle Häuser wegbläst, dann gibt es auch weniger Arbeit alles auf zu bauen.
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    In einer Tabakplantage zeigt uns ein Bauer, wie aus Blättern eine Zigarre  gemacht wird: das Blatt wird getrocknet, fermentiert, gerollt mit einem besonders schönen Deckblatt und dann getrocknet. Der Stengel wird dabei ausgelassen, da er über 70% des Nikotins enthält. Die Bauern müssen 90% der Ernte an die staatlichen Firmen abgeben. Die restlichen 20% behalten sie für sich.

    Ein Besuch in einer Höhle entpuppt sich als Touristenfalle: es sind bereits etwa 300 Personen da. Wir kehren um und bekommen das Geld zurück.

    Den Abend verbringe ich am Pool im Hotel bei Bier und Pizza. Für die Gäste wird weiterhin ausgeschenkt.

  • Die lange Fahrt

    Momentan bin ich noch im Zentrum der Insel, aber nicht mehr lange. Eine lange Fahrt zum westlichen Teil steht an. Das Land macht einen wenig entwickelten Eindruck. Auf der Strasse gibt es wenig motorisoerten Verkehr, dafür aber immer wieder Perde mit und ohne Kutschen. Am Strassenrand stehen fast überall Leute, die nach einer günstigen Mitfahrgelegenheit suchen. Die Strassen selbst sind eigentlich immer in einem sehr guten Zustand.

    Ein Halt in Cienfuegos zeigt eine wunderschöne Kolonialstadt, aber allzu lange bleiben wir nicht.
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    Im Hotel habe ich mal wieder Internet, wenn auch mit SFr 3.-/h nicht wirklich billig.

  • Segelausflug

    Auf dem heutigen Programmpunkt steht ein Segelkatamaranausflug zu einem schönen Strand mit Schnorchelriff und Essen und Gereänk inklusive. Das tönt doch schon ganz gut! Nur fängt das Ganze weniger gemütlich an, der Katamaran ist zwar riesig, aber auch gewaltig überfüllt. Unsere Vorstellung war eigentlich, dass unsere 16er Gruppe einen eigenen bekommt.
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    Die Fahrt zur Insel dauert dementsprechend ewig, auch weil der Katamaran mit dem schwachen Motor fährt und nicht mit dem meistens von der Seite kommenden Wind segelt.

    Als erstes gehe ich mit schnorcheln. Das Riff ist ganz hübsch, mit mittelmässiger Sicht. Nach den ganzen Tauchgängen mit Mantarochen, Haifischen, Cenoten und schnorcheln in Cozumel bin ich da aber arg verwöhnt.
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    Der Strand ist dafür eine richtige Enttäuschung, da gibt es selbst in der Schweiz schönere. Die Mädels sind auch enttäuscht vom Getränkeangebot: sie haben sich erhofft ganz viele Mojitos zu schlürfen, aber das höchste der Gefühle ist ein Cuba Libre, denn es hat nur Cola, Fanta, Mineral und Rum. Ok, zumindest hat es kaltes Bier. Das Essen ist dafür OK.
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    Zurück kommt der Wind eher von hinten, was dem Kapitän nun einfach genug ist zum segeln. Mit dem zusätzlichen Antrieb sind wir fast doppelt so schnell zurück.

    Die Fabrikarbeiter in den Zigarrenfabriken bekommen hier pro Tag 5 Zigarren geschenkt. Diese verkaufen sie privat um ihren Lohn aufzubessern unter dem normalen Preis. Genau bei so einem Arbeiter gehen wir vorbei um uns ein paar Souveniers zu kaufen.
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    Abendessen gibt es heute mit der Familie in unserem Haus. Die Freundin des Besitzers ist da und schaut, dass in der Küche alles rund läuft. Als wir sie darauf ansprechen, ob sie nicht eine Sängerin ist, singt sie uns einige Lieder vor. Da sie es mag, wenn zu der Musik getanzt wird, muss ein frisch verheiratetes Pärchen sich opfern und tanzen anstatt zu essen. An der Gitarre ist eine Saite gebrochen, was hier ein Problem ist, da Gitarrensaiten kaum erhältlich sind. Auch die Unterhaltung mit ihr ist sehr spannend, sie spricht kaum englisch und die Gäste kaum spanisch. Ich gebe mein Bestes als Dolmetscher. Internet gibt es hier nur sehr begrenzt und kostet für Kubaner etwa 2 Franken pro Stunde. Auch eine Ausreisebewilligung ist extrem schwer zu bekommen, eigentlich nur durch Heirat eines Ausländers oder einem Arbeitsvertrag im Ausland. Ich persönlich finde es sehr traurig wenn Leute nicht reisen dürfen um den eigenen Horizont zu erweitern. Da merkt man schon, wie privilegiert man als Schweizer ist.

    Das Abendessen hat den nicht wirklich gelungenen Ausflug definitiv wett gemacht und den Tag gerettet!