Category: Travel

  • Die Jagd nach dem Silberstreifen

    Als ich mich auf den Weg mache, ist es bewölkt, aber mit einem Silberstreifen am Horizont. Laut Wetterbericht wird es hier ab 14:00 regnen und an meinem heutigen Zielort Coos Bay wird es gar nicht regenen. Ich habe also eine reale Chance den Silberstreifen zu erreichen, nur muss ich schauen, dass ich am Morgen schnell vorwärts komme.

    Entlang dem Dunes Nationalwald windet sich die Strasse durch den Wald. Ab und zu erwische ich einen Regentropfen, aber die so einzeln stören sie mich nicht. Schade ist, dass ich in dem Wald die Küste nicht sehen kann. Aber nach etwa 20km kommt ein Rastplatz mit Ausblick über die Dünen bis zum Meer. Dort treffe ich dann sogar die junge Velofahrerin, die ich vor ein paar Tangen überholt habe, und wir wechseln ein paar Worte. Sie ist aus der Gegend und nur ein paar Tage unterwegs. Alleine zu fahren stört sie nicht und findet es als Frau nicht gefährlicher als als Mann.

    Irgendwie kommt es mir vor, als wollen die Wolken ein Wettrennen mit mir machen. Wenn ich fahre, sehe ich bald blauen Himmel, aber sobald ich Rast mache ziehen die Wolken auf. Etwa in der Hälfte der Strecke mache ich Mittagspause. Auch die startet mit blauen Flecken am Himmel. Doch laut Wetterbericht sollte der Regen erst in der Nacht hier ankommen. Nach dem Elch-Burger mit Salat probiere ich die Erdnussbuttertorte. Ich glaube, die hat alleine genug Kalorien um mich 100km weit zu bringen. Naja, diese Kalorien werde ich im Gegensatz zum Durchschnittsamerikaner schnell wieder los.

    Nach dem Mittagessen ist wieder Bewölkung aufgezogen und ich mache mich auf den Weg um sie zu überholen. Doch zuerst müssen 120m Steigung überwunden werden, die mit etwa 10% ansteigen. Das ist zu viel für all das Gepäck und ich schiebe lieber. Das braucht dann auch gleich andere Muskeln. Nicht wirklich angenehm sind dabei die Abgase der Autos, die alle mit Vollgas neben mir durch donnern. Ach ja, so ein Veloweg ganz ohne Autos, das wäre schon was. Man würde das Meer hören und riechen. Aber zumindest gibt es hier kaum Dieselfahrzeuge und 2-Tackter. Das ist schonmal was.

    Die Steigung ist schnell durch und es geht mit etwas Gegenwind flott voran. Nur schleicht sich ganz heimtückisch ein Küstennebel über mich und fängt ganz langsam an mich zu benieseln. Am Anfang nur ganz wenig, so dass die Tropfen vorneweg verdunsten, aber etwa 25km vor dem Ziel wird der Nieselregen immer stärker. Ganz fies dabei ist, dass ich auch jetzt ab und zu das schöne Wetter sehe, aber das wird sofort vom Nebel bedeckt. Ich entschliesse mich so schnell wie möglich weiter zu fahren um genug Wärme zu generieren und am Ziel noch ein Hotelzimmer zu erwischen, da es ja Samstag ist.

    Mit Erdnussbutterkraft komme ich auch jetzt sehr schnell voran und die Beine sind topfit. Nur der Hintern möchte ab und zu eine Pause, und dann fahre ich halt stehend für eine Minute. Kurz vor Coos Bay erreiche ich wirklich das Ende des Nebels und kann für die letzten Kilometer noch trocknen.

    Distanz: 79km

  • Nebel

    Auch heute will ich einige Distanz machen. Das Ziel ist es bis Florenz zu kommen, welches etwa 100km weit weg ist. Von dort sollte ich es knapp am Regen vorbei schaffen. Um 9:00 ist Abfahrt bei Nabel, der vom Meer her über die Hügel zeiht. Im den Wäldern sieht das ziemlich magisch aus und ich komme mit all den Fotostops nicht so richtig vorwärts.
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    In der nächsten grösseren Stadt komme ich endlich an einem grossen Supermarkt vorbei. In den letzten Tagen habe ich nur kleine Läden gefunden ohne frische Sachen. Die einzigen Beeren und Früche dort waren von Haribo und nicht unbedingt gesund. Im Walmart gibt es endlich frische Himbeeren, Tomaten und sonstiges.

    Frisch eingekauft geht die Fahrt mit Rückenwind durch den Nebel weiter. Die Temperatur ist recht angenehm zum fahren, ich komme nur mit der neongelben Windjacke aus. Die ist bei dem Nebel sowieso Plicht wegen der Sichtbarkeit, obwohl der Nebel zum Glück nie auf die Strasse reicht. Mit dem Wind im Rücken fliegen die Kilometer nur so durch bei teilweise 25 km/h bei flacher Strasse. Andere Velofahrer treffe ich immer wieder. Diese Strecke scheint sehr beliebt zu sein, und das kann ich denen natürlich nicht abschlagen. Teilweise erinnert die Küste an Schottland.
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    Bei Kilometer 87 erwischt mein Vorderrad wieder einen kleinen Stahldraht und die Luft veraschiedet sich ganz langsam. Ist irgendwie unglaublich, dass die Plattenstatistik in den USA jetzt viel schlechter ist als in Italien wo so viel Abfall auf der Strasse liegt. In der nächsten Zeit werde ich wohl mal den Vorderpneu auch wechseln lassen obwohl er noch nicht durch ist. Ein neuer Pneu ist schon weniger anfällig.

    Ich hätte nicht gedacht, dass ich die fast 100km wieder ohne müde Beine hinkriege. Aber in der nächsten Zeit werde ich trotzdem wieder weniger Kilometer machen.

    Distanz: 96km

  • Auf der Flucht

    Laut Wetterbericht kommt in den nächsten Tagen schlechtes Wetter an die Küste. Da es aber eher den Norden trifft, sehe ich eine Chance dem Regen zu entkommen. Nur muss ich dafür einen Zahn zulegen und etwa 100km fahren pro Tag. Je weiter ich komme, desto weniger Regen werde ich erwischen.

    Zuerst brauche ich aber noch neue Pflaster um die Veloschläuche zu flicken, da mir die langsam ausgehen. Auch den Luftdruck muss ich prüfen und mit einer richtigen Pumpe auf etwa 6 Bar beingen, damit ich möglichst wenig Rollwiderstand habe. Also ist zuerst mal ein Besuch beim einzigen Veloladen im Dorf angesagt. Der Besitzer sagt mir auch, dass das Dorf von Schweizern gegründet wurde und es deshalb so viele Kühe und eine Käsefabrik hat.

    Ein paar Kilometer später komme ich an einem Flugzeug Museum vorbei, welches mich ziemlich reizen würde. Aber ich will keine Zeit verlieren und möglichst weit in den Süden kommen. Heute vermag die Sonne auch die Nebelbänke aufzulösen, aber an der Küste bleibt es im Schatten recht kühl. Das erfahre ich beim Mittagessen als ich einen Cheesburger mit Käse von der Käsefabrik am Strand im Schatten esse.
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    Ein kleiner Pass ist nun angesagt mit 250m. Das tönt nicht nach viel, aber mit dem ganzen Gepäck zieht es sich schon noch. Wunderbar schön ist aber, dass die Strasse durch einen Wald führt und keine Autos unterwegs sind. Die Stille im Wald ist fast gespenstisch. Fast oben angelangt treffe ich ein junges Paar auf dem Velo, das an der Ostküste gestartet ist und den ganzen Kontonent durchquert hat. Ein wenig später überhole ich eine junge Frau, die gemütlich mit Vollpackung alleine auf dem Velo unterwegs ist. Allzu gesprächig ist sie nicht, da sie kaum auf den Gruss antwortet. Ist irgendwie schade, es ist sehr selten dass Frauen alleine unterwegs sind, und ich hätte gerne die Motivation gewusst. Allgemein bin ich überrascht wie viele junge Velofahrer ich heute treffe. Normalerweise sind es pensionierte die endlich Zeit für sowas haben.
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    Recht genau nach 100km find ich auf Anhieb ein günstiges Hotel. Das Velo nehme ich eigentlich immer mit ins Zimmer, da hier die Hotelzimmer fast immer die Türen direkt an der Strasse haben und ich einfach reinfahren kann. Gross genug sind sie auch.

    Distanz: 102km

  • Rauf, runter, Gegenwind und Platten

    Der Morgen wartet wieder mit Nebel auf, welcher sich an den Hügeln ansetzt. Zuerst sieht es aus als ob er sich schnell wieder auflöst, doch er bleibt hartnäckig. Die Strecke wird nun zunehmend hügeliger, was zwar nicht so angenehm ist zum fahren, aber dafür mit schönen Ausblicken belohnt wird.
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    Nach der Mittagspause treffe ich auf 3 Velofahrer, die eine Woche lang der Küste entlang fahren. Sie sind mit aufgerüsteten Rennvelos unterwegs und hängen mich schnell ab. Sie warten aber ab und zu auf mich und wir können ein wenig quatschen.

    Weniger angenehm ist der Gegenwind, der und stetig begleitet. Der senkt die Geschwindigkeit doch massiv. Auch der Nebel will sich nicht so richtig auflösen, gibt aber die Sonne ab und zu frei. Dadurch stigt die Temperatur nur wenig an, aber die Nebelbänke bieten auch sehr stimmungsvolle Fotogelegenheiten.
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    Am späteren Nachmittag übersehe ich einmal einen vertrockneten Himbeerzweig, was dann ein paar Kilometer in einem Platten endet. Scheinbar brauchen die Dornen einige Zeit bis sie bis zum Schlauch kommen. Unterdessen habe ich aber gute Übung im reparieren und bin schnell wieder unterwegs. Die Gruppe sehe ich aber nicht mehr.

    Da es jetzt doch sehr kühl und feucht ist, bevorzuge ich definitiv Hotels. Die sind aber recht gut ausgebucht hier und erst das dritte hat Platz für mich.

    Distanz: 79km

  • Die lange Brücke

    Diese Nacht war die erste direkt am offenen Pazifik auf dieser Reise. Wenn im Umkreis vom einem Kilometer gerade kein Auto fährt, kann ich die Wellen rauschen hören. Da die Autos hier aber eben sehr laut sein können, musste ich mit Ohrenstöpseln schlafen und eben nicht mit Meeresrauschen. Es gibt hier vor allem Pickup Trucks mit dicken, wenig gedämpften Motoren. Das tönt dann etwa so, wie man sich eine Harley mit 6l Hubraum vorstellen würde. Bei den gefühlt kartondicken Wänden der Häuser hier weiss man also sogar im Wohnzimmer wer wo durchfährt.

    Den Morgen gehe ich gemütlich an und lasse mal das Zelt schön trocknen bevor ich es komplett putze. Danach fahre ich dem Strand entlang in Park “Kapp der Enttäuschung”. Dies hat eine alte Geschichte, da hier die Expedition von Lewis und Clark auf den Pazifik gestossen ist und die enttäuscht waren von dem, was sie hier vorfanden. Wobei mir die Landschaft ganz gut gefällt, und auch das Wetter nicht besser sein könnte. Im Wald raschelt etwas unter dem Laub auf der Strasse und ich erkenne die kleine Schlange leider zu spät. Ich denke, das hat sie nicht überlebt.
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    Meine Stunden im Staat Washington sind gezählt als ich mich der riesig langen Brücke von Astoria über den Colombia River mit seiner roten Färbung nähere. Zuvor halte ich noch kurz und kann gleich ein Spektakel miterleben. Ein Schwarm Pelikane ist am fischen und stürzt sich immer wieder im Sturzflug ins Wasser. Die Brücke ist 6km lang und steigt am Ende steil auf und um Glück gibt es für mich einen dünnen Radstreifen. Weniger Glück hatten über ein Dutzend Vögel und nahmen ein jähes Ende in einer Windschutzscheibe. Das Resultat davon liegt über die ganze Brücke auf meinem Velostreifen verteilt.
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    Nun ist der erste Bundesstaat Washington erfolgreich durchquert und Oregon ist als nächster an der Reihe. Dieser Staat ist für 3 Dinge bekannt:
    – keine MWST
    – Hanf ist legal
    – Die Küstenlinie
    Das erste hilft mir wenig, da ich schon alles habe und nicht mehr transportieren kann. Zumindest bezahlt man hier ausnahmsweise mal den angeschriebenen Preis im Laden. Das zweite interessiert mich nicht und wegen dem dritten bin ich da. Die Routenplanung ist ganz einfach: für ein paar Wochen dem Highway 101 folgen, dann auf der Passhöhe rechts abbiegen und dem Highway 1 für ein paar Wochen folgen.

    Da ich spät abgefahren bin und die letzten Tage gut vorwärts gekommen bin, nehme ich ein Hotel in der Ortschaft mit dem klingenden Name “Seaside”. Nach einem Spaziergang am Meer und ganz vielen Fotos vom Sonnenuntergang mache ich es mir noch im Hotelpool, der SPA und dem Sauna bequem. Das mag ich definitiv an den amerikanischen Hotels, dass sie solche Einrichtungen fast standardmässig haben. Die Sauna ist irgendwie kaputt. Sie ist zwar schon heiss, aber mit schwizten ist nichts. Vielleicht liegt es auch an mir. Aber die 40°C heisse SPA bringt mich definitiv zum schwitzen. So mag ich einen Abend.
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    Distanz: 59km

  • Der lange Strand

    Mhh, zum Frühstück gibt’s ein Rührei und Nutellabrot. Gut gestärkt und mit Wind und Sonne im Rücken geht die Reise weiter zuerst dem Fluss und dann der Lagune entlang. Wunderschöne Feuchtgebiete und Wälder wechseln sich ab. Meistens führt die Strasse der Küste entlang, aber ab und zu auch durch den Wald.

    Am Nachmittag fahre ich auch einem Wildreservat entlang und sehe auch grosse und kleine Tiere: Raupen versuchen die Strasse zu überqueren und schaffen es hoffentlich auch. Einige Libellen waren da weniger erfolgreich, wie die Überreste auf dem Velostreifen zugen. Direkt nach meinem Mittagessen überquert auch ein Schwarzbär gemütlich die Strasse und wird um einiges schneller als das Auto anrollt. Auch ganz viele Vögel suchen im Schlamm ihr Mittagessen, aber erst bei den Wildgänsen beschliesse ich auf das Teleobjektiv zu wechseln. Vorher waren Enten und andere Vögel am Werk.
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    Zum Übernachten habe ich nun die Wahl zwischen Long Beach und Astoria. Die Wahl ist eigentlich gar keine: Strand vs. Stadt? Das Wetter ist absolut wolkenfrei und lädt eigentlich nur zum Camping ein. Zur Abwechslung gehe ich mal auf einen privaten Campingplatz und nicht in einen State Park und sobald das Zelt steht und ich geduscht bin wird der Strand angeschaut. Der ist schön, gross, weit, lange, mit grossen Wellen und zu meiner Überraschung fahren Autos dem Strand entlang. Naja, amerikansische Dekadenz halt.
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    Auch ich darf natürlich ein wenig Dekadent sein, und so wird dick im Restaurant gespiesen anstatt selbst gekocht. Diesmal hatte ich den richtigen Riecher und das Essen ist herrlich: Frischer, lokaler Lachs mit Kartoffelstock und Gemüse. Auch das Bier überzeugt, es gibt viele Mikrobrauereien hier, die gutes Bier machen. Hefeweizen inclusive, und sie nennen es sogar genau so. Als ich vor 6 Jahren in dieser Gegend war, habe ich nicht so viel von dem Trend der Mikrobrauereien mitbekommen, aber jetzt will ich schon probieren was hier so alles zusammengebraut wird.

    Distanz: 72km

  • Pazifik

    Der Tag begrüsst mich mit strahlendem Sonnenschein. Neben meinem Zimmer ist eine Gruppe Motorradfahrer auf ihrem Weg nach Norden. Sie planen ziemlich genau die Route, auf der ich gekommen bin.

    Mit ein wenig Gegenwind und neuem Pneu geht die Fahrt los zum Pazifik. Die Route zieht sich aber schon noch, und die aufziehenden Wolken gefallen mir so. Auch nicht so gut gefällt mir, dass es kaum Rastplätze gibt. Die gibt es eigentlich nur in State Parks, und davon kommen zum Glück einige. Die erste Pause gibt es bei kaltem Wind an einem Vogelbeobachtungsposten.
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    Wenig später überholt mich ein kleiner Camper mit Graubündner Kennzeichen. Schön zur Mittagspause erreiche ich den Pazifik mit seinen mächtigen Wellen und auch der Himmel klärt sich wieder. Mit Sicht aufs Meer und dem Rauschen der Wellen esse ich gemütlich “Brot” mit Käse. Was hier als Brot verkauft wird, verdient den Namen eigentlich nicht. Genau so wenig wie der Käse hier. Der originale und sauteure Greyerzer, den ich im Laden gefunden habe, ist aber ganz gut.
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    Für viele Kilometer bleibt es der einzige Kontakt mit dem Pazifik. Erst als die Strasse aus dem besiedelten Teil heraus führt und der Strand nicht mehr Privatbesitz ist, kommen auch wieder die wunderschönen Ausblicke auf den Ozean. Genau wegen solchen Strassen mache ich die Tour ja.
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    Mit schönem Rückenwind führt die Strasse in einen Meeresarm hinein wo die Vögel bei Ebbe im Meeresboden nach Essbarem suchen.
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    Für die Weiterfahrt fehlen mir irgendwie die Karten: die Tomtom App startet nicht mehr und bei Komoot habe ich den nächsten Abschnitt vergessem herunterzuladen. Ich suche also besser ein Hotel mit Internet um alles auf den neuten Stand zu bringen.

    In dem nicht unbedingt belebten Ort finde ich ein Motel mit Wlan und ohne Frühstück. Das ist perfekt, denn dann gibt’s morgen endlich die restlichen Eier zum Frühstück!

    Richtig amüsiert mich die Seife im Badezimmer: “Spring mist” ich traue mich nicht sie zu öffnen, weil ich Angst habe, dass mich dann was anspringt und ich nach Mist stinke. Da hat wohl jemand vergessen die Bedeutung in anderen Sprachen zu prüfen.

    Distanz: 79km

  • Der erste Platten

    Das Zelt ist am Morgen zumindest trockener als am Abend. Mitten im Wald ist es noch recht kühl, was mich ein wenig am aufstehen hindert. Doch die frischen Eier locken zu einem Rührei. Gedacht, getan und es schmeckt herrlich. Endlich kann ich die Bratpfanne einweihen.

    Selbstverständlich sind die Velokleider nicht getrocknet über Nacht, was doch Überwindung kostet zum anziehen. Der Schrecken hält zum Glück nur kurz, da die Kleider im Fahrtwind schnell trocknen und einem sowieso schnell warm ist auf dem Velo.

    Die Küste ruft jetzt immer stärker wo sie näher kommt. Auch der Wind eilt voraus mir entgegen. Ich komme trotzdem gut voran, jedenfalls bis das Hinterrad Luft verliert. Der Grund ist sofort sichtbar: ein Stahldraht hat seinen Weg bis in den Schlauch gesucht und gefunden. Das Loch ist schnell geflickt, weniger gefällt mir aber der Pneu selbst. Der ist komplett runtergefahren. Nach kurzer Recherche und Umplanung gibt es einen kleinen Umweg über einen Veloladen.

    Zuerst habe ich mal Hunger. Eine Pizzeria kreuzt meinen Weg und wartet mit einer Überraschung auf: sie backen die Pizzas nicht, das muss man selbst zuhause machen. Dann hat halt der Mac nebenan gerade einen Kunden gewonnen.

    Nach einem kleinen Irrweg beim Haus des Veloladenbesitzers, dessen Adresse das Navi als Laden markiert hat, finde ich den richtigen Laden. Der hat sogar Zeit ihn zu ersetzten, jedenfalls ab und zu wenn gerade kein Kunde vorbeikommt. Der Laden scheint zu brummen.

    Zum weiterfahren ist es leider schon etwas spät weil es kaum Übernachtungsmöglichkeiten gibt für 40km. Hier in Aberdeen gibt es genug davon, und etwas Entspannung tut auch gut.

    Distanz: 35km

  • Wald

    Erstaunlicherweise war mein Schlaf ganz gut! Nur einmal wurde ich von einem Konvoi um 5:00 geweckt. Die Ohrenstöpsel funktionieren gut, obwohl auch sie gegen das Gedröhne der Autos hier nicht viel ausrichten können. Ein Auto muss halt einfach gross, laut und stark sein, sonst leidet das amerikanische Ego.

    Durch die Nacht verziehen sich die letzten Wolken und machen den Sternen platz. Den Fischen gefällt das so gut, dass sie ab und zu Luftsprünge machen. Die klare Nacht erkenne ich am Morgen am Zelt: die Seite mit Himmelblick ist nass mit Tautropfen. Auf der Ostseite mit Bäumen ist alles trocken. Schade kommt die Sonne hier zu spät für mich.

    Auch nass ist das Zelt schnell zusammengepackt und schon geht’s los dem Meeresarm entlang mit den Olympischen Bergen im Hintergrund. Jetzt ist die Strasse sogar öfters am Wasser. So wie es aussieht, war die Entscheidung zu campieren ganz gut, ich sehe jedenfalls weit und breit kein Hotel.

    Irgendwie mühsam ist auch, dass nirgendwo ein Rastplatz oder zumindest ein Bänkli ist für Pausen. So esse ich die Melone halt an einem ausser Betrieb genommenen Bahnübergang. Ein Bauernmarkt versorgt mich mit frischem Gemüse und endlich vergesse ich mal nicht, dass ich schon lange Eier kaufen will um die Bratpfanne einzuweihen.

    Links und rechts ist nachdem ich das Wasser verlassen habe eigentlich nur noch Wald. Ab und zu kommt eine Einfahrt mit Briefkasten. Zahlreiche Schilder mit “NO TRESPASSING” und “PRIVATE PROPERTY” säumen den Weg. Sieht aus, als ob die Bewohner hier nicht gerne Besuch haben. Für Einbrecher sind die Schilder sicher praktisch, so wissen sie wo es etwas zu holen gibt und dass sie bewaffnet kommen müssen. Ok, die Trump Wahlwerbung neben den Schildern erklärt auch einiges.

    Die Wälder wechseln zu Baumplantagen wo alle Bäume genau dasselbe Alter haben. Manchmal ist das sogar angeschrieben und ich finde Tannen die genau so alt sind wie ich.

    Allzu weit bin ich nicht mehr vom Pazifik entfernt, doch reicht es nicht mehr heute. Die Hotels sind gerade nicht mein Geschmack und das Navi zeigt einen State Park mit Camping fast auf dem Weg an, der sogar noch an einem kleinen See ist. Bingo! Am Fritag kann schon mal alles ausgebucht sein, mich stört das als Biker aber nicht. Es gibt extra für mich billige Campingplätze, und die sind meistens frei, da es kaum andere Biker/Hiker gibt.

    Mein Campingplatz ist mitten im Wald, weg von den anderen. Das stört mich wenig, so habe ich meine Ruhe und keinen Rauch in der Nase.

    Der Abend ist nun komplett verplant: Zelt aufstellen, kochen, essen, abwaschen, herumschauen, duschen, waschen, dessert futtern, Blog schreiben, schlafen.

    Gespannt bin ich auf morgen, ob das Zelt eher trocknet oder nässer wird. Mei Tipp ist auf trocknen, da ich mitten im Wald bin und die Wärme nicht abstrahlen kann.
    Distanz: 84km

  • Und nochmals tschüss, Seatle!

    Das Velo ist da und alles ist bereit zur Weiterreise. Um die Stadt zu umgehen nehme ich gleich die Fähre nach Bremerton. Interessanterweise ist die nicht gratis, so wie die letzte Fähre. Sobald ich von Seattle weg komme klart der Himmel auf und eine gute Mischung aus Woklen und Sonne kommt.
    Die Stadt ist schnell hinter mir und bald bin ich vom Wald umringt. Die Route geht kleineren Strassen entlang nach Südosten meinem Ettapenziel, dem Pazifik, entgegen. Am Nachmittag komme ich an einen grossen Supermarkt vorbei und gehe gleich mal einkaufen. Den Rucksack nehme ich vorsichtshalber mit und finde sogar alles, was ich suche: Rohschinken & Melone zum Mittagessen morgen, Pasta & Bolognese für sonstwann und Berren, Früchte & Beef Jerky für unterwegs. Hier in den USA sind sie mit den Cumulus & Co Karten noch einen Schritt weiter gegangen: jeder Artikel hat 2 Preise, einen mit und einen teureren ohne Karte. Praktischerweise scannt die Verkäuferin jeweils ihre Karte und ich bekomme auch ohne Karte den billigeren Preis.
    Unter den vielen möglichen Strecken entschliesse fahre ich dem Meeresarm entlang, da Wasser immer schön ist und die Stassen so wunderbar wenige Kreuzungen haben. So richtig schön ist es aber irgendwie nicht: das Ufer ist immer Privatbesitz die Strasse geht kaum direkt dem Ufer entlang.
    Aber es geht auch anders: ein State Park mit Camping ist direkt am Wasser. Essen habe ich genug, das Wetter scheint zu halten und der Ort ist gemütlich zum campieren. Die Velofahrer haben den Camping sogar ganz romantisch direkt am Meer. Leider auch genau neben der Strasse. Ich hoffe, dass mich diese Nacht nicht allzu viele Lastwagen akustisch überfahren im Zelt.
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    Distanz: 43km