Category: Travel

  • Im Niemandsland

    Der Nebel hat sich zwar nicht verzogen über Nacht, aber mindestens zum Hochnebel angehoben und so die Sicht freigegeben. Kalt ist es trotzdem, kaum über 10°C.
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    Weiter geht’s der Küste entlang auf dem Highway 1, wie gewohnt immer hoch im kleinsten Gang oder mit schieben und runter mit 50km/h im höchsten Gang. Da ich beim runterfahren immer die ganze Fahrbahn für mich brauche und die Autos hinter mir blockiere, kann das ganz selten zu einem kleinen Stau führen. Wenn ich mit 40 oder schneller die Kurvenreiche Strasse runterheize, dann will ich ganz einfach nicht, dass sich ein Auto neben mir durchquetscht. Die müssen dann halt richtig überholen oder waren bis ich unten Platz mache.

    Das ewige hoch und runter zehrt schon an den Kräften, da ich so nie in einen vernünftigen Tritt komme. Beim runterfahren bekomme ich auch schnell kalt.

    Die Nebeldecke ist auch heute sehr hartnäckig und eben kalt. Ab und zu sehe ich ein paar Rehe am Strassenrand und Vögel, die Aufwind suchen. Aber nicht wirklich erfolgreich.

    Am Nachmittag kommen zu meiner Freude sogar ab und zu ein paar flachere Stellen dazu, wo ich zumindest für ein paar Kilometer geradeaus fahren kann, bevor es wieder runter und hoch geht. Dörfer kommen höchst selten, nur alle paar dutzend Kilometer. Aber sicher ein Haus pro Kilometer ist schon da. Ich frage mich, wie man in dieser Abgeschiedenheit leben kann.

    Nach etwa 60km sehe ich in der Ferne blauen Himmel. Das gibt jetzt endlich mal Motivation zum vorwärts kommen. Der blaue Streifen kommt immer näher und auf einmal bin ich an der Sonne. Die wärmt leider nicht mehr fest auf, aber es ist trotzdem viel angenehmer. Es kommen noch 2 Dörfer bevor wieder lange nichts kommt. Im 2. Nehme ich ein Motelzimmer und gehe noch ein wenig auf Vogeljagt. Ein hübscher, kleiner Kolibri hat es mir angetan und posiert schön für meine Kamera!
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    Nach einem feinen Fisch im Restaurant mit Aussicht auf das Meer ist der Tag auch schon zuende.

    Distanz: 75km

  • Kalter Nebel

    Noch vor Sonnenaugfang erwache ich und mache mich sofort ans Werk: zuerst das feuchte Zelt abwischen, dmit die Sonne es besser trocknen kann. Ich habe es extra so aufgestellt, dass die Morgensonne auf die Seite scheint. Dann gibt’s Rührei zum Frühstück.

    Die Sonne kommt auch pünktlich hoch, doch die ersten Sonnenstrahlen ziehen nur den Nebel vom Ozean die Berge hoch. Das mit dem Zelt trockenen kann ich nun vergessen. Das wird Stunden dauern, bis die Sonne den Nebel aufgelöst hat.
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    Zumindest ist das Zelt nach dem Abwischen schon viel weniger feucht, aber innen komme ich nicht überall ran, und diese Stellen bleiben jetzt halt feucht beim Zusammenpacken.

    Durch den immer dicker werdenden Nebel bei unter 20° ziehe ich los gegen Süden über die kurvenreiche Strasse. Immer ein wenig hoch oder runter. Da die Strecke viel schöner wäre bei Sonnenschein, nehme ich es besonders gemütlich. In der Hoffnung, dass der Himmel sich klärt. Das macht er auch, aber nur versuchsweise. Sofort ist wieder alles bedeckt.
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    Vor Fort Bregg fängt eine extra Velostrasse an und verläuft durch ein Naturschutzgebiet. Dieser Weg gefällt auch einem Reh, welches kaum von mir beeindruckt dort läuft. Die Eichhörnchen ein wenig später sind da schon einfacher auf Trab zu bringen, sie huschen ständig vor mir hin und her.
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    Bei dem Nebel habe ich keine Lust allzu weit zu fahren, vor allem weil jetzt dann wieder eine längere Strecke ohne viel Besiedelung kommt. Somit ziehe ich noch weiter bis in die letzte Ortschaft Mendocino vor der Leere und kann im Hotel endlich duschen und die Kleider waschen. Auch das Internet ist recht schnell, so dass ich die weiteren Karten endlich herunterladen kann.

    Distanz: 48km

  • Highway 1

    Heute geht’s wieder los und ich habe noch einen weiten Weg vor mir. Deshalb mache ich mich sofort nach dem Erwachen auf den Weg. Nach einigen Metern fällt mir auf, dass im Rückspiegel etwas fehlt: Das Fähnchen vom Anhänger. Das muss ich wohl gestern im Hotel vergessen haben. Naja, ist nur ein Umweg von 100m, den nehme ich in Kauf und siehe da, sie haben en noch!

    Unter der Sonne Kaliforniens pedale ich dem Aalfluss entlang auf der halben Autobahn. Die wird aber schnell kleiner bis sie sich als Hauptstrasse um die Redwoods des Richardson Grove schlängelt. Obwohl die Strasse dem Fluss folgt, geht es immer wieder rauf und runter. Aber tendentiell natürlich hoch. Auf etwa 300m endet die US 101 für mich und ich biege in den berühmten Highway 1 ab.
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    Der Highway 1 will aber erstmal gefordert werden und steigt als perfekte Motorradstrasse mit vielen Kurven auf 600m an. Meine Beine sind ganz froh, dass sie 2 Tage Pause hatten und nehmen das ganz locker. Obwohl es schon Mittag ist verschiebe ich das Mittagessen auf die Passhöhe, weil es jetzt immer wärmer wird.
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    Oben angekommen speise ich genüsslich und mache mich an die Abfahrt. Ich merke richtig, dass ich nun näher an den Pazifik komme: während es beim Aufstieg noch etwa 30° waren, kühlt es nun merklich ab auf etwas über 20°.

    Nach einem kleinen Anstieg auf 200m und der darauf folgenden Abfahrt komme ich wieder ans Meer. Der Anblick ist schon wunderschön, eigentlich sollte ich hier übernachten und den Sonnenuntergang anschauen. Per Zufall kommt auch schon ein Campingplatz für mich, und nachdem ich Wasser gefunden habe, spricht nichts dagegen hier zu übernachten. Ausser Toiletten und genau einen Wasserhahn hat es hier zwar nichts, dafür kostet es auch nur $3 und ist damit exakt 15x billiger als der letzte Campingplatz. Und sogar direkt am Meer, wo nur die Wellen Party machen. Handyempfang habe ich auch keinen, also muss halt der Blog noch warten.
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    Der Sonnenuntergang über dem Meer ist wie immer spektakulär, jedoch nicht weniger schön ist die Milchstrasse danach. So weit von der Zivilisation weg gibt es kaum Lichtverschmutzung. Leider kühlt die Luft nun wieder schnell ab in der Nacht, was für mich den Genuss des Sternenhimmels doch zeitlich limitiert und mich unter den Schlafsack zieht.
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    Mit dem Rauschen der Wellen im Hintergrund und kaum Verkehr brauche ich auch keine Ohrenstöpsel und schlafe schnell ein.

    Distanz: 77km

  • Die Reparatur

    Der Tag ist perfekt geplant: pünktlich zur Öffnungszeit der Werkstatt bin ich dort. Nur gibt es da ein ganz kleines Problem: die Werkstatt existiert nicht mehr, vor 2 Jahren wurde dem Besitzer der Raum gekündigt und er musste ausziehen. Eine Hoffnung gibt es noch: ein Sportladen verkauft auch Velos. Auch die hatten mal eine Werkstatt, vor einigen Jahren. Jetzt verkaufen sie aber nicht mal mehr Werkzeug. Auto und Motorradwerkstätten gibt es haufenweise hier, aber Werkzeug um die Speichen zu ersetzen hat niemand.

    Nun kommt also der weniger geliebte Plan B zum Zug: mit dem nächsten Bus zur Werkstatt. Da keiner nach Süden fährt, bleibt also nur noch der Norden, also da wo ich her komme. Der Bus fährt erst um 14:00, also kann ich gemütlich zu Mittag essen hier. Ironischerweise hätte ich das alles auch gestern machen können, der Veloladen in Fortuna hat auch am Sonntag offen.

    Zumindest läuft dieser Plan rund: der Bus ist pünktlich und sogar früher als im Fahrplan angegeben dort. Auch das Velo ist schnell geflickt, sie wechseln einfach das ganze Rad aus, da auch die Felgen gelitten haben. Das Vorderrad wird auch gleich noch gewechselt. Das einzige Problem, dass ich jetzt noch haben könnte ist, dass die beiden Veloplätze im Retourbus besetzt sind. Diesmal geht auch das gut und ich komme pünktlich ins Kifferkaff zurück. Morgen kann ich also endlich an die Küste und auf den Highway 1.

    Beim einchecken erfahre ich auch wieso es hier so viele Hippis, Backpacker und Obdachlose hat: die illegalen Hanffelder der Umgebung ziehen die Leute mit Arbeit und Produkt magisch an. Wieso ich die letzte Zeit nur eine sehr schlechte Internetverbingung hatte erfahre ich auch gleich: die Telekom-Firmen interessieren sich für die Gegend nicht und haben kein Interesse die Leitungen zu erneuern.

    Distanz: 17km

  • Am Pool

    Die Nacht habe ich zwar gut geschlafen, aber um 3:00 weckt mich laute Musik. Irgendwie mag ich die Leute hier nicht wirklich. Als ich auf die Toilette gehe, ist überall noch Hochbetrieb, der sich erst mit dem Sonnenaufgang legt.

    Noch vor dem ersten Kilometer höre ich ein Klack vom Hinterrad und schaue nach: eine weitere Speiche ist gebrochen, was sich auch damit auszeichnet, dass das Rad nun an der Bremse schleift. So weiter zu fahren ist nun sinnlos. Trotzdem habe ich Schwein: der einzige Velomech der Gegend ist genau hier. Doch er hat natürlich am Sonntag nicht offen. Das schreit also nach einem gemütlichen Sonntag. Zum Zeltplatz will ich nicht, aber ein Motel mit Pool tut es auch.

    Die Gegend ist irgendwie komisch, überall hat es Obdachlose oder Backpacker. Manchmal kann man sie kaum unterscheiden. Viele sind am Autostoppen, wie viel Glück sie dabei haben weiss ich nicht. Nie habe ich ein Auto gesehen bis jetzt, das auch angehalten hat.

    Der Pool vom Motel ist sogar abgesperrt wegen den Obdachlosen, nur für mich wird er geöffnet. Denn bei 35° meint es das Wetter nun wirklich gut mit mir! Das Wetter ist sowieso komisch: entweder zu heiss oder kalt, etwas dazwischen scheint es nicht zu geben. Wobei ich nun recht weit von der Küste weg bin, an der Küste selbst wäre es kühler. Mir kann das am Pool nur recht sein.

    In dem kleinen Nest ist sowieso kaum was los, mit rumliegen verpasse ich sowieso nichts. Hier ist nicht gerade mein bevorzugter Ruheort, aber so schlecht ist er auch nicht. Und bei über 30° mit dem Velo zu fahren wäre auch eine Qual.

    Distanz: 7km

  • Im Land der Riesen

    Allzu früh will ich nicht aufstehen, so etwa um 10:00 setze ich den Fuss vor die Tür und mache mich auf den Weg zur US 101. Diesem Freeway muss ich jetzt noch für etwas über 100km folgen bis zur Abzweigung zum Highway 1.

    Da die Strasse zur Autobahn mit 2 Spuren pro Richtung und 100km/h ausgebaut ist, ist sie nicht gerade optimal für mich. Doch es ist der offizielle Veloweg und die Velospur (Pannenstreifen) ist sehr breit. Für Velos ist sie also eigentlich sicherer als kleinere Strassen, da die Autos genug Abstand halten. Nur bei den Ausfahrten muss ich aufpassen, die Autos blinken kaum wenn sie rechts raus wollen. Ich warte einfach jeweils bis gar kein Auto kommt und überquere erst dann die Ausfahrt. Verkehr hat es zum Glück nur wenig.

    Wenn immer ich eine Gelegenheit habe von der 101 zu kommen, dann nehme ich die auch. Diesmal heisst die Strasse “Avenue of the gigants”. Das tönt doch ganz vielversprechend, auch weil jetzt der Humboldt Redwood State Park kommt.

    Nun komme ich mir vor wie im Märchen im Land der Riesen. Während den letzten Tagen habe ich nur ab und zu einen Redwood gesehen, aber jetzt bin ich in einem ganzen Wald davon! Jeder Baum ist riesig und die Strasse wirkt winzig klein. Es würde mich auch nicht verwundern wenn ein Dinosaurier zwischen den Bäumen trampeln würde, so urzeitlich sieht der Wald aus. Im Infozentrum steht sogar, dass diese Baumsorte zu den Zeiten der Dinosaurier die halbe Welt bewaldet hat.
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    Als ich einen Gang runter schalten will, rattert etwas beim Hinterrad und ich halte sofort an. Scheinbar ist die Kette hinten rausgefallen und hat einige Speichen gebrochen. Na toll, es ist Samstag Nachmittag und ich bin am Arsch der Welt. Die kautten Speichen nehme ich raus damit sie nicht noch irgendwo hängen bleiben und fahre weiter. Wirklich optimal ist es nicht, da das Rad ein wenig an der Bremse anschlägt und nicht ganz rund läuft. Aber ich komme schon vorwärts so, einfach nicht zu schnell fahren und möglichst keine Schläge auf das Hinterrad.

    Gemütlich ziehen die Redwoods vorbei, der Park ist wirklich gross. Auch die Wolken haben sich verzogen und die Temperatur steigt endlich weit über 20°. Im Wald selbst ist es jedoch ziemlich dunkel. Das Licht lasse ich lieber mal eingeschaltet.

    Die Abendwärme treibt mich zum Entschluss mal wieder zu campieren. Auch wenn die Nacht eher kühl wird, am Morgen kommt die Wärme sofort wieder.

    Distanz: 77km

  • Gemütliche Wolken

    Heute will ich mal sicher jegliche Anstrengung vermeiden, aber trotzdem in eine gute Ausgangsposition kommen für die weitere Reise. Die Beine sind schon noch schwer von gestern, doch aufwecken will ich sie nicht. Sie sollen ja bis morgen wieder richtig fit sein. Ganz gemütlich fahre ich um die Lagune rum und über die Brücke nach Eureka, wo ich auf einem Bänklein zu Mittag esse.
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    Einmal fühle ich ein paar Tropfen, aber das ist auch schon alles. Es bestätigt mir, dass meine Berechnungen gut waren und ich gerade genug weit gefahren bin. Ansonsten ist es bewölkt die ganze Zeit.

    Jetzt fahre ich möglichst nicht auf der 101 bis ins letzte grössere Dorf vor dem nächsten Nichts. Die 101 kann ich nicht immer vermeiden, aber meistens schon. Mir fällt ein Clubhaus nur für Schweizer auf, zu gerne wüsste ich was die da so treiben. Aber momentan ist niemand da. Bei einem verlassenen Bahnübergang finde ich endlich mal wieder Brombeeren. Das Zvieri frisch vom Strauch ist schon was gutes.
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    Der einzige Hügel heute ist 80m hoch. Trotzdem schiebe ich das Velo rauf, ich will ja dass sie die Beine entspannen. Auf der anderen Seite bringe ich etwa 50 km/h auf den Tacho, aber nur ganz kurz.

    Neben dem Hotel gibt es eine Pizzeria mit Sauerteig. Das muss ich natürlich ausprobieren und lasse mir eine zussammenstellen. Schnell sind sie dabei nicht: ich soll in 45min wieder kommen, sagen sie. Vom Sauerteig merke ich nichts, die Pizza ist halt 0815 amerikanisch.

    Distanz: 55km

  • Ein langer Tag

    Während ich auf dem Velo sitze, habe ich viel Zeit zu überlegen was ich denn so schreiben will und welchen Titel ich dem Tag geben will. Der kann sich auch ändern mit der Zeit, und ist das besonders of der Fall. Deshalb schreibe ich die jeweiligen Titel mal auf.

    Heute sollte ich möglichst weit in den Süden kommen um dem Regen zu entkommen, und auch um überhaupt ein Hotel zu finden, da ea in den Redwood Wäldern kaum welche gibt.

    Ich mache mich also um 8:30 auf den Weg um den bis jetzt grössten Hügel von 400m zu erklimmen. Das sollte aber schon der höchste von heute ein, danach ist es flacher. Anstengend ist die Baustelle, auf der ich einen Lastwagen hinter mir habe und sie deshalb möglichst schnell passieren will. Die Baustelle hat dafür weiter oben den Vortel, dass die Autos nur gruppenweise kommen und ich immer wieder autofreie Minuten habe. Ab und zu taucht nun auch ein Redwood Baum auf, aber so gross sind die noch nicht.
    Titel: Im Land der riesigen Bäume

    Oben angekommen quatsche ich ein wenig mit einem Ehepaar aus Texas, die auf einem Trike mit Anhänher unterwegs sind. Ich verstehe sie sogar problemlos! Auch die Abfahrt geht schnell und bald bin ich wieder am Strand. Die Zeit verfliegt trotzdem recht schnell, so dass ich bald eine Mittagspause bei einem Salmon Jerky Laden einlege, der geräucherten und marinierten Lachs verkauft. Ist wirklich gut und eine gute Ergänzung zu meinem Sandwich.

    Kurz nach dem Mittag treffe ich 2 deutsche Velofahrer, die wie ich den nächsten Hügel am erklimmen sind. Wir freuen uns auf die Strasse durch den Redwood State Park, doch aus unbekanntem Grund ist die gesperrt. Also müssen wir uns auf 500m hochkämpfen anstatt 300m, und die Strasse ist viel befahrener und ich komme nicht bei den riesigen Redwoods vorbei. Also ich finde, dass derjenige, der die Strasse gesperrt hat, mir ein grosses Steak mit einem guten Bier schuldig ist.
    Titel: Umweg

    Auch dieser Hügel wird bezwungen, nur ist es halt schon spät. Erst um 17:00 bin ich wieder am Meer und esse erstmal das Abendessen. Bis zur nächsten Ortschaft sind es noch 30km, aber die sind zumindest der Küste entlang.

    Der Küste entlang heisst noch lange nicht, dass es auch flach ist: die Strasse geht mehrmals auf über 100m hoch und wieder runter durch die Lagunen. Irgendwie habe ich heute Zweifel dass die Baumeister hier überhaupt flache Strassen hinkriegen. Heute geht es wirklich immer nur rauf und runter.
    Titel: Höhenmeter

    Die Ortschaft liegt etwa 100m über dem Meer und die letzten 10km sind zum Glück ziemlich flach, so dass ich gut vorwärts komme. Ich ziele in das Zentrum der Ortschaft und lasse die ersten Hotels liegen, da die sicher sowieso zu teuer und ausgebucht sind. Dummerweise waren das auch gleich die einzigen Hotels hier, aber zurückfahren ist für mich keine Option. Also bleibt die Flucht nach vorne, und da kommen schon noch einige Ortschaften.

    Die Beine mögen noch ganz gut, scheinbar haben sie aufgegeben zu schreien, dass sie müde sind. Ich darf nur keine langen Pausen machen, sonst kommen die Beine aus dem Tritt und wollen lieber schlafen. Obwohl es jetzt richtig flach ist und ich gut vorwärts komme, zieht es sich so sehr, dass die Nacht hereinbricht. Nach 2 vergebenen Versuchen ziele ich auf einen Ort mit ganz vielen Hotels und hier finde ich sogar eins, aber es ist schon 21:00.

    Zu all dem muss ich nun noch die Wäsche waschen… aber easy, morgen wirds dann weniger anstrengend und den Regen habe ich nun abgehängt.

    Distanz: 121km

  • Vom Süden in den Norden

    Kurz nach 9:00 bin ich wieder bei Sonnenschein unterwegs nach Süden. Obwohl ich Rückenwind habe komme ich nicht wirklich schnell vorwärts: hinter jeder Kurve wartet eine andere wunderschöne Aussicht und will fotografiert werden. Es ist etwa 15° und bei dem Wind friere ich sobald ich stehe. Während der Fahrt habe kann ich mich bei der windstille eher wärmen.
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    Für die ersten 40km habe ich so etwa 4h, doch danach weitet sich das Land und wird eben. Das gibt viel Platz für Läden auf den letzten Meilen ohne Mehrwertsteuer. Denn nach der Südküste von Oregon schreite ich nun in den hohen Norden von Kalifornien. Zwei von drei Staaten habe ich also hinter mir, und den dritten nehme ich nun in Angriff.
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    In der letzten Zeit bin ich über 1000km nach Süden gefahren, doch wärmer ist es nicht geworden. Das liegt vorwiegend am kalten Pazifik und wird sich auch nur ganz langsam ändern. Doch etwa ab der Mitte von Kalifornien sollten die Temperaturen wieder steigen.

    Die grösser werdenden Bäume kündigen auch schon an, was ich in den nächsten Tagen sehen werde: ich bin im Land der Redwood Mammutbäume. Nur viel Zeit habe ich wieder nicht, da ich wieder von Regen verfolgt werde. Somit werde ich auch morgen viele Kilometer machen müssen.
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    Distanz: 86km

  • Mit Rückenwind zum Goldstrand

    Den Morgen nehme ich so richtig gemütlich und nehme mir Zeit fürs packen. Je später ich starte, desto wärmer wird es und desto stärker wird der Rückenwind sein. Der kommt im Verlauf des Nachmittags und wird immer stärker bis er gegen Abend nachlässt.

    Gut gesättigt gehe ich am späteren Morgen auf die Strasse, natürlich möglichst der Küste entlang. Es gibt noch einige Aussichtspunkte, die ich noch nicht gesehen habe. Leider verlässt die Strasse bald die Küste und geht nur noch durch den Wald. Die Gegend wird auch immer trockener, was sich am verdorrten Gras abzeichnet. Einmal liegen innerhalb weniger Kilometer gleich 3 verwesende Rehe an Strassenrand. Das sind aber zum Glück die einzigen, diesen Anblick brauche ich nicht wirklich.
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    Der Wind frischt auch wie erwartet auf, nur hilft er nicht so viel, weil die Strecke immer wieder hoch und runter geht. Nach etwa 40km kommt mal wieder eine Ortschaft und das Meer. Beim Aussichtspunkt stehen 3 Velofahrer: ein kanadisches Pärchen von Vancouver und einer aus der Tschechoslovakei. Er ist der erste europäische Velofahrer, den ich sehe!
    Das Pärchen fährt etwa so schnell wie ich, und so treffen wir uns immer wieder.
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    Nun geht die Strasse endlich wieder ans Meer und windet sich über den Klippen der Brandung entlang immer wieder hoch und runter. Einmal verlässt sie die Küste und folgt einem Bach, aber nicht lange und schon gibt es wieder eine wunderschöne Aussicht auf das Meer. Nach einer Abfahrt kann ich dann direkt dem Strand entlang mit dem Rücken im Wind pedalen.
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    Kurz vor der Ortschaft Gold Beach beschliessen die beiden wild zu campieren. Für mich ist das irgendwie nichts, ich habe lieber eine schöne Dusche und ein warmes Bett, also fahre ich in die Ortschaft im ein Hotel.

    Distanz: 89km